Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [1]. Die Ereignisse im Winter und Frühjahr (7. 1931)

Gab es andere Möglichkeiten des Handelns? 
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Entschluß nicht mehr der Hoffnung auf Erfolge von operativer Tragweite, 
sondern dem Glauben, den Kraftanstrengungen, die der Gegner zum Durch¬ 
bruch in die ungarische Ebene machte, am wirksamsten mit Gegenangriffen 
begegnen zu können. Die tatsächliche Lage schloß indessen nicht nur die 
Ausführung von Gegenangriffen größeren Stiles vollkommen aus, sondern 
erzwang sogar die Zurücknahme der 2. und 3. Armee bis hinter den Kar- 
paten-Kamm. So endete die mit großen Hoffnungen begonnene Offensive 
mit schweren taktischen Rückschlägen, die erst durch die Osterschlacht zum 
Teil wieder ausgeglichen werden konnten. Die österreichisch-ungarische 
Heeresleitung mochte ausatmen, als nach einer wochenlang andauernden 
schweren Krise der Ansturm des Feindes gegen Mitte April wenigstens 
vorübergehend als abgeschlagen angesehen werden durfte. 
And doch konnte aus den bisherigen Krastanstrengungen der Ver¬ 
bündeten e i n großer Gewinn für die Gesamtlage auf dem galizischen 
Kriegsschauplatz gebucht werden: Die Russen hatten sich nach und nach 
mit den Hauptkrästen ihrer Südwestfront so sehr in die Gebirgskämpse 
verstrickt, daß ihre rechte Flanke zwischen Beskiden und Weichsel erheb¬ 
lich geschwächt worden war. Darin lag für die Verbündeten jetzt der Keim 
eines großen Erfolges. Gelang es, diese rechte Flanke des Feindes durch 
einen überraschenden Stoß starker Kräfte zu überrennen, so drohte seiner 
gesamten Karpaten-Front die Gefahr des Einsturzes. 
6. Die Kämpfe an der deutschen Ostfront 
bis Ende April 191$. 
1. Der Einsatz der neuen Rorps in Ostpreußen. 
Karte 19 Band VI sowie Karte 9 Band VII. 
An der deutschen Ostfront, in Westpolen und östlich der Weichsel, 
waren im Laufe des Dezember 1914 alle Angriffe durch Feind, Witterung, 
eigene Erschöpfung und Munitionsknappheit allmählich zum Stehen ge¬ 
kommen. Wiederholt hatte der deutsche Generalstabschef Fortsetzung der 
Offensive zum „Zermürben" der Russen und ihre Verdrängung aus dem 
Weichsel-Vogen gefordert, sich aber am 24. Dezember außerstande erklärt, 
dazu noch irgendwelche Kräfte aus dem Westen zuzuführen; statt dessen 
hatte er ein Hinüberziehen starker Kräfte der 9. Armee auf das rechte Äser 
der Weichsel zur Erwägung gestellt. Die Verwirklichung dieses Gedankens
	        
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