Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [1]. Die Ereignisse im Winter und Frühjahr (7. 1931)

Gründe des Mißerfolges der Offensive. 
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führung im Karpaten-Winter. Übrigens fällt auf, daß General v. Conrad 
den Mitte Januar ausgefprochenen Gedanken, die Besatzung der Festung 
Przemysl spätestens Anfang Februar an den Operationen des Feldheeres, 
entweder durch Ausfälle oder einen Durchbruchsversuch, zu beteiligen, in¬ 
zwischen ganz fallengelassen hat. 
Muß somit schon das Scheitern der ersten, Ende Januar in Gang 
gesetzten Offensive vornehmlich auf nicht genügende Schwer¬ 
punktsbildung an entscheidender Stelle zurückgeführt werden, so gilt 
das in verstärktem Maße für den späteren Verlauf der Operationen. 
Diese zerfielen bei wiederholtem Neuansah in eine Reihe mehr oder minder 
zusammenhangloser Teilunternehmungen. Freilich darf hierbei nicht über¬ 
sehen werden, daß General v. Conrad durch die sehr schnell einsehende 
russische Gegenwirkung gegen die 3. Armee bereits von Anfang Februar 
an in seiner Entschluß- und Handlungsfreiheit stark beschränkt war. So 
durchkreuzte zunächst der Verlust des Raumes um Mezölaborcz, der für 
die Wiederaufnahme der Offensive unentbehrlich war, die Absicht Conrads, 
die ümfassungsoperation der 3. Armee durch konzenttisches Vorgehen der 
4. Armee längs der galizischen Beckenreihe südlich Gorlice zu unterstützen. 
Der dann endlich Mitte Februar in Gang gebrachte Vorstoß der inneren 
Flügel beider Armeen gegen Vanica hatte nur noch den Zweck, die Lage 
bei der 3. Armee wiederherzustellen. Die starken Kräfte, die für diesen rein 
örtlichen, übrigens erfolglosen Vorstoß eingesetzt wurden, hätten wohl 
zweckmäßiger, wenigstens zum Teil, zur Verstärkung der inzwischen neu¬ 
gebildeten 2. Armee verwendet werden können, auf die der bisherige ope¬ 
rative Aufttag der 3. Armee, das Vorgehen über Valigrod aus Lisko— 
Sanok, übergegangen war. Dieses Vorgehen konnte sich jetzt aber nicht 
mehr als Umfassungsoperation gegen den linken Flügel der russischen 
Hauptkräfte auswirken, es handelte sich vielmehr zunächst um einen rein 
frontalen Angriff gegen eine starke und geschlossene Front, also um einen 
taktischen Durchbruch. Da General v. Conrad in seinen Erwägungen über 
den Neuansah der Offensive seine ursprünglich viel weiter gesteckten ope¬ 
rativen Ziele nunmehr hinter der Absicht, die Festung Przemysl zu ent¬ 
setzen, zurücktreten ließ, wäre es um so notwendiger gewesen, die mit dem 
Durchbruch in dieser Richtung bettaute 2. Armee — und innerhalb dieser 
wieder die Mitte — von Anfang an so stark als möglich zu machen. Bei 
ihrer unzureichenden Kräfteausstattung scheiterte die Ende Februar be¬ 
gonnene neue Offensive sehr schnell. Mitte März sahen sich die 2. und 
3. Armee durch einen groß angelegten Gegenangriff der Russen endgültig 
in die Abwehr zurückgeworfen. Kurz darauf endete auch ein letzter Versuch 
der 4. Armee, bei Gorlice vorzustoßen, ohne Erfolg. Operative Vedeutting
	        
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