Stellungskämpfe der Südarmee. Die Eroberung des Zwinin.
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General der Infanterie, Grafen v. Bothmer, mit der 1. Infanterie- und
3. Garde-Infanterie-Division.
Wenige Tage darauf wurde bekannt, daß die 2. Armee den Azsoker-
Paß aufgeben wollte. General v. Linsingen legte sofort scharfe Verwahrung
hiergegen in Tefchen ein, da er befürchtete, daß dann auch die ganze
Stellung der Südarmee unhaltbar werde. Daraufhin stellte General
v. Conrad am 2. April den rechten Flügel der 2. Armee, die Gruppe Szur¬
may, unter den Befehl des Generals v. Linsingen, mit der ausdrücklichen
Weisung, daß der Azsoker-Paß unter allen Umständen zu halten sei. Damit
reichte der linke Flügel der Südarmee bis in die Gegend südöstlich von
Ustrzyki grn. Um den Besitz des Uzsoker-Passes zu gewährleisten, befahl
General v. Linsingen der Gruppe Szurmay noch einmal, daß sie ihre jetzigen
Stellungen unter allen Umständen zu halten hätte, und verkleinerte außer¬
dem ihren Abschnitt, indem er die rechte Flügel-Division, die österreichisch-
ungarische 38. Infanterie-Division, dem Korps Bothmer unterstellte, das
damit bis zum Hnyla-Bach reichte. Am 4. April wurde eine Brigade der
38. Division herausgezogen und als Armeereserve hinter dem linken Armee¬
flügel bereitgestellt.
General v. Linsingen begab sich sofort an die Front des Abschnittes
Szurmay und traf dort gerade noch rechtzeitig ein, um den Rückzug zu ver¬
hindern. Als dann aber der nunmehrige rechte Flügel der 2. Armee hinter
den Vachabschnitt bei Patakofalu zurückging und am 6. April heftige An¬
griffe gegen die Gruppe Szurmay einsetzten, wurde auch deren linker Flügel
auf die beherrschende Höhe Ceremcha, nordöstlich Patakofalu, zurückgebogen.
Vis weit in den April hinein spielten sich hier erbitterte Kämpfe ab, da die
Russen sich unablässig abmühten, den wichtigen Paß in ihre Hand zu
bringen. Am 8. April gelang es ihnen, die Mitte der Gruppe Szurmay
nach Süden an den Paßeingang zurückzudrücken.
Am 9. April setzten heftige russische Angriffe gegen Mitte und linken 9- ®utc
Flügel des Korps Bothmer ein. Auf dem rechten Flügel des Korps konnte pr
dagegen die 1. Infanterie-Division nach achtwöchigen erbitterten Kämpfen
sich endlich in den Besitz des Zwinin setzen. General v. Linsingen hoffte,
den Erfolg ausnutzen zu können, und befahl dem General Grafen Bothmer,
noch am gleichen Abend „baldigst starke Reserven zur Offensive in nord¬
westlicher Richtung bereitzustellen". Jedoch mißlang bereits am nächsten
Tage der Versuch, den Erfolg in Richtung auf Skole zu erweitern, da sich
die Russen unmittelbar hinter den verlorenen in neuen starken Stellungen
festgesetzt hatten. Gegen den linken Korpsflügel gingen sie am 11. April
sogar zum Angriff vor und drückten die hier stehende österreichisch-ungarische
38. Division beiderseits des Stryj nach Süden zurück.