Volltext: Die Operationen des Jahres 1915 ; [1]. Die Ereignisse im Winter und Frühjahr (7. 1931)

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Die Karpaten-Offensive. 
angesichts der schweren Kämpfe in der Champagne und in der Erwartung 
englischer Angriffe^) nicht in Frage kam, wandte sich General v. Falkenhayn 
noch am 14. März wiederum an den Oberbefehlshaber Ost mit der Anfrage, 
„ob etwa von der 9. Armee zwei bis drei Divisionen verfügbar gemacht 
werden könnten, erforderlichenfalls unter Verzicht auf die Offensive an der 
Pilica"ch. Der Oberbefehlshaber Ost erklärte sich sogleich in der Lage, das 
noch bei der Armee Woyrsch befindliche österreichisch-ungarische 
XII. Armeekorps abzulösen. Die Entsendung zweier Divisionen der 
9. Armee nach Ungarn hielt er indessen nicht für möglich, wenn bei einer 
etwaigen russischen Offensive das bisher gewonnene polnische Gebiet be¬ 
hauptet werden sollte. Nach seiner Ansicht sei der Fall von Przemysl un¬ 
abwendbar. Bevor General v. Falkenhayn sich entschied, richtete er noch 
an den österreichisch-ungarischen Generalstabschef die Rückfrage, „bis zu 
welchem Tage Przemysl mit Rücksicht auf die dort vorhandenen Vorräte 
sich nach Meldung des Kommandanten noch halten könne". General v. Con¬ 
rad antwortete am 15. März, daß die Festung nur noch bis zum 24. März 
über Vorräte verfüge. Da der Angriff der österreichisch-ungarischen 2. Armee 
vor befestigten Stellungen des Feindes zum Stehen gekommen sei und erst 
in einigen Tagen fortgesetzt werden könne, sei ein Entsatz der Festung 
Przemysl „kaum mehr zu erwarten". Die Heranführung deutscher Kräfte 
käme daher voraussichtlich nur noch als Verstärkung der deutschen Südarmee 
in Betracht. Umgehend erwiderte General v. Falkenhayn: „Da weitere 
deutsche Truppen unmöglich bis zum 24. März in den Karpaten operations¬ 
bereit sein können, kommt ihre Entsendung zum Zweck des Entsatzes von 
Przemysl leider nicht mehr in Frage ... Gegen die Verstärkung der deut¬ 
schen Südarmee durch deutsche Truppen habe ich ernste Bedenken infolge 
unserer mangelhaften Ausrüstung für den Gebirgskrieg und unserer nicht 
größeren Gewöhnung daran." 
Diesem Einwände begegnete General v. Conrad am 16. März durch 
Wiederholung seines bereits vor zwei Tagen gemachten Vorschlages, der 
deutschen Südarmee die gewünschten Verstärkungen „weniger auf direktem 
Wege durch das Gebirge, sondern hauptsächlich im Wege der Armeegruppe 
Pflanzer zuzuführen, welche das Gebirge bereits überschritten habe und 
gegenwärtig keiner Gebirgsausrüstung mehr bedürfe". Cr wies hierbei 
aus die große Bedeutung hin, die dem Vorgehen der Armeegruppe Pflanzer 
in der Bukowina sowohl vom operativen Gesichtspunkte aus wie auch mit 
Rücksicht auf die Haltung Rumäniens in der nächsten kritischen Zeit zu¬ 
komme, und bat nochmals „ernstlich erwägen zu wollen, ob nicht doch ver- 
i) S. 58. — -) S. 74.
	        
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