214 Die Verfolgung des deutschen rechten Heeresflllgels bis zur Marne.
auch dem Armee-Oberkommando 2 zuging, wurde zum Ausdruck gebracht,
daß ein „Versuch der 1. Armee, Marne am 3. September zu überschreiten,
unsichere Aussicht" biete.
Der um 9" abends ausgegebene Armeebefehl trug daher dem
IX. Armeekorps „die Fortsetzung des Angriffs gegen die Flanke der vor der
2. Armee über Fere en Tardenois auf CHKteau Thierry zurückgehenden
Franzosen" auf. Das III. Armeekorps sollte in unmittelbarem Ein-
vernehmen mit dem IX. auf CHKteau Thierry vorgehen, „um den Gegner
beim Übergang über die Marne anzugreifen". Mündlich wurde bei
der Befehlsausgabe die Absicht des Armee-Oberkommandos noch dahin
erläutert: „Ein tibergang über die Marne sei nicht wahrscheinlich und
komme nur unter besonders günstigen Verhältnissen in Betracht, z. B. wenn
bei starkem Nachdrängen der 2. Armee die Franzosen in großer Unordnung
die Marne überschritten und die Übergänge von uns gleichzeitig in Besitz
genommen werden könnten')." Für den Fall, daß es nicht mehr gelang,
den Feind zu erreichen, wurden beide Korps im Armeebefehl angewiesen,
die Marschstraße des rechten Flügels der 2. Armee Soissons—CHZteau
Thierry demnächst nach Westen zu räumen. Um der Gesahr eines Aus-
einanderreißens der Armee vorzubeugen und gegen jede etwa mögliche
Flankenbedrohung von Paris her über eine geschlossene Front zu verfügen,
faßte der Armeebefehl für die drei anderen Korps eine Linksschiebung auf
der Grundlinie ins Auge. Cs sollten rücken: das IV. Armeekorps unter
Deckung der rechten Flanke gegen Paris—Meaux in die Gegend von Crouy,
das II. Armeekorps nach Vertreibung des Feindes aus den Waldungen
südlich Senlis in die Gegend von Nanteuil le Haudouin, das IV. Reserve¬
korps unter Festhalten von Creil in die Gegend östlich und nordöstlich von
Senlis. Dem Kavalleriekorps wurde ein Ruhetag bewilligt.
So ähnelte die Lage der I.Armee am Abend des 2. September der-
jenigen vom Abend des 31. August. Bei der Aussichtslosigkeit, die Eng-
länder in rein frontalem Rachdrängen einzuholen, hatte sich das Armee-
Oberkommando 1 noch einmal zu dem Versuch entschlossen, durch seitliche
Verfolgung dem Westflügel der zurückweichenden Franzosen in die Flanke
zu stoßen. Cs war aber nicht gewillt, diesem Versuch durch Ausgreifen über
die Marne eine Ausdehnung zu geben, die mit den verfügbaren Kräften
nicht in Einklang zu stehen schien. Hierbei sprach zweifellos auch die bereits
am Abend des 1. September im Armee-Oberkommando angestellte Erwägung
mit, daß bei der Nähe der großen Festung Paris von jetzt an die Möglich-
keit eines flankierenden Vorstoßes von dorther fortgesetzte Berücksichtigung
heischte.
1) v. Kühl a, a, O. S, 117.