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Der Abschluß der Schlacht, 29. bis 51. August.
gruppe zu dieser Zeit von den Kämpfen am 26. und 27. August hatte,
wissen wir nicht.
General Shilinski entschloß sich, dem General Samsonow durch
Vorgehen der Njemen-Armee Hilfe zu bringen. ■ Ant 28. August
frühmorgens gab er folgende Weisung H an General v. Rennenfampf:
„Die Abteilungen, die vor Ihrer Front zurückgingen, sind mit der Bahn
an die Front der 2. Armee gefahren worden und greifen bei Bischofs¬
burg, Gilgenburg und Soldau an. Allenstein ist von uns beseht.
Helsen Sie der 2. Armee durch Vorgehen Ihres linken Flügels, soweit
als möglich, gegen Bartenstein und Ihrer Kavallerie in der Richtung
aus Bischofsburg. Das VI. Korps hat Anweisung, von Sczepanken"
(halbwegs Bischofsburg—Ortelsburg) „auf Passenheim vorzugehen."
Gleichzeitig wurde der Armee gestattet, das II. Korps, wenn es schon
in westlicher Richtung angesetzt sei, im Vormarsch dorthin zu lassen.
Damit wurde der Abtransport dieses Korps nach Warschau wieder auf¬
gegeben. — Als die Weisungen der Heeresgruppe zur Njemen-Armee
gelangten, vollendete sich gerade bei Hohenstein die Niederlage der Narew-
Armee. Sie in einen Sieg zu wandeln, war es zu spät; wohl aber wäre
es bei tatkräftigen Maßnahmen auch jetzt noch möglich gewesen, dem
General Samsonow für den Rückzug eine Entlastung zu verschaffen.
Doch zu dieser Zeit sah weder General Shilinski, noch General v. Rennen¬
kampf die Lage der Narew-Artnee für so ernst an, wie sie es im Laufe
des 28. August tatsächlich wurde.
So haben die an sich schon wenig dringlich gehaltenen Weisungen
der Heeresgruppe das Oberkommando der Njemen-Armee auch nicht
zu raschem Handeln veranlaßt. Am 28. August morgens lag das
durch eine Reserve-Division verstärkte XX. Korps, dabei 1 y2 Kavallerie-
Divisionen, nördlich des Pregel, das III. und IV. Korps (nebst 5. Schützen-
Brigade) bei Wehlau, Allenburg und Friedland. Vom Kavalleriekorps
des Chans Hussein Nachitschewanski hatte westlich davon die 1. Garde-
Kavallerie-Division Domnau erreicht, die 2. und 3. Kavallerie-Division
Schippenbeil. Die 1. Kavallerie-Division stand bei Korschen. Hinter
dieser Kavallerie hatte das zur Bahnfahrt nach Warschau bestimmte
II. Korps den Befehl zum Rückmarsch erhalten, nachdem es mit der süd¬
lichen Kolonne am Tage vorher schon Rastenburg erreicht hatte. Es war
nachts wahrscheinlich dort und bei Barten geblieben. Eine Brigade des
Korps mit der gegen Löhen bestimmten Artillerie stand noch östlich dieser
Festung. — Auf Grund des Heeresgruppen-Befehls entschloß sich
*) Radus-Sent'owitsch im Sbornik, Heft 4, S. 86.