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Das Ringen im Osten von Ende Juli bis Ende August
der soldatische Gehalt der Streiter keine stärkere Belastung mehr vertrug.
Ein erheblicher Teil der Mannschaftsabgänge entfiel auf Gefangene.
GO. Tersztyánszky nannte in einem vertraulichen Berichte an die Hee¬
resleitung die 11. ID. das „Schmerzenskind der 4. Armee". Mit Ausnahme
eines einzigen Gegenangriffes, an dem deutsche Einheiten mitwirkten,
hatten die eingesetzten zahlreichen Hilfstruppen nirgends einen gün¬
stigen Umschwung der Gefechtslage herbeizuführen vermocht. Als neue,
höchst notwendige Armeereserve — alle verfügbaren Truppen waren
während des Tages in den Kampf geworfen worden — wies das
Heeresgruppenkommando das deutsche RIR. 217 (2700 Feuergewehre)
zu, das von Wladimir-Wolynski heranrückte und in Berezowiczy
Quartier bezog1).
Der Befehlshaber der Heeresgruppe fand, wie aus manchen Ver¬
fügungen und Bemerkungen herauszulesen ist, schon seit längerer Zeit
die höhere Führung bei der Armee Tersztyánszky nicht ganz befriedi¬
gend. Beim 4. Armeekmdo. war man einigermaßen überrascht, als am
28. nachmittags ein Befehl Linsingens einlief, der die Ankunft des
preußischen Gdl. Litzmann mit dem Generalkmdo. des XXXX. RKorps
ankündigte. Der General war mit „der Abwehr des russischen Angriffs"
zu betrauen, „damit die einheitliche Führung der zum Teil mit deut¬
schen Truppen durchsetzten Abwehrtruppen gewährleistet" bleibe2).
Am 29. ließ der Feind die Verteidiger vormittags etwas zu Atem
kommen. Der Südflügel der 10. KD. half der Kavalleriegruppe Leon¬
hard!, die aus der Waldzone östlich von Korytnica vorstrebenden
Russen abzuweisen. Nachmittags erhielt das Korps Szurmay lebhaftes
Geschützfeuer; die folgenden, schwächlichen Vorstöße richteten an der
Front keinen Schaden an. Gegen das Korps Csanády aber setzte in
ganzer Breite wieder ein Angriff des XXXX. Russenkorps ein. Im Ab¬
schnitte des FML. Kaiser brachen die Stürmer vor dem IR. 82 zusam¬
men; vor der 37. HID. erlagen sie schon dem Sperrfeuer. Die weniger
widerstandskräftige 2. ID. wurde jedoch eingedrückt. Am Südflügel
sprangen Teile der 26. SchBrig. hilfreich bei. In der Mitte verrammelte
ein Gegenangriff der Korpsreserve, zweier Bataillone des IR. 378 3),
x) Das Regiment kam von der Armee Woyrsch.
2) Gdl. Litzmann, der durch den Durchbruch bei Brzeziny 1914 und als Er¬
oberer der Festung Kowno 1915 bekannt geworden war, hatte bisher einen Front¬
abschnitt der deutschen 10. Armee befehligt. Nach der ursprünglichen Absicht Lin¬
singens sollte der General die taktische Führung der ganzen 4. Armee übernehmen
(Litzmann, Lebenserinnerungen [Berlin 1928], II, 92 ff.).
3) Ein Bataillon war bei der 37. HID. verblieben.