Volltext: Die Kriegspläne Italiens gegen Österreich-Ungarn (Ergänzungsheft 2 1931)

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davon ab, wie sich die Heeresleitung auf den weniger wichtigeren Schlacht¬ 
feldern mit schwachen Kräften abzufinden vermag, wie sie dort mit ihnen 
hauszuhalten versteht. Golowin verweist auf Napoleon 1796 bei Mantua. 
Doch drohte der Anmarsch der russischen 3. Armee auf Rawa-Ruska 
und Mosty-Wielkie die Lage für den Russen zu retten. Nach General 
Golowin konnte General v. Conrad zur Abwehr dieses Vorgehens das 
11. und 3. Korps der k. u. k. 3. Armee und die ll.HKD. in den Raum 
Rawa-Ruska und Mosty-Wielkie heranziehen. Dies war möglich, wenn 
General v.Conrad die 3. und 2. Armee in die Abwehrstellung Were- 
szyca—Grodeker Teiche zurücknahm, Das Anhalten des rechten Flügels 
der russischen 3. Armee durch deren Oberbefehlshaber, General Rußki, 
bei Kamionka-Strumiíowa und Zelichow gab General v. Conrad die volle 
Möglichkeit, den Rückzug der 3. Armee in nordwestlicher Richtung 
durchzuführen. Die Nachhuten des 3. und 11. Korps vermochten, wenn 
sie sich nicht in einen entscheidenden Kampf einließen, die Vorrückung 
der russischen 3. Armee bei Rawa-Ruska um etwa fünf bis sechs Tage 
aufzuhalten, bis die Schlacht bei Komarów entschieden war. 
Aber der Leiter der Operationen bei dem k. u. k. Heere, bedeutet 
General Golowin, sei in diesen Tagen nicht auf der notwendigen Höhe 
der Kriegskunst gestanden. Er brachte nicht die Entschlossenheit auf, 
jetzt schon seine östliche Heeresgruppe bis in die Wereszyca-Stellung 
zurückzuführen und so vom Feinde abzusetzen. Ihm schien es bedauerlich, 
Lemberg räumen zu müssen. General Golowin glaubt, daß die falsche 
Einschätzung der Güte der russischen Truppen den General v. Conrad 
davon abgehalten hätte, der k. u. k. 4. Armee Verstärkungen zuzuschie¬ 
ben. So habe er geglaubt, daß die 12 k. u. k. Infanteriedivisionen der 
k. u. k. 4. Armee die 7^2 Infanteriedivisionen der russischen 5. Armee 
zu schlagen vermochten. Dies sei ein großer Irrtum gewesen. General 
Golowin ist von der Güte der russischen Truppen sehr stark einge¬ 
nommen. Er verfällt in das Gegenteil des Fehlers, den er dem General 
v. Conrad vorhält, er überschätzt seine Landsleute. 
Mit Bedauern stellt er weiter fest, daß General v. Conrad am 
28. August die Kräfte, die bei Komarów den Sieg und die Entscheidung 
für die k. u. k. Waffen bringen konnten, der 3. Armee zuschob und sie 
bei Lemberg festlegte (Österreich-Ungarns letzter Krieg, Seite 202 und 
220). Weiter setzte Conrad ein Kavalleriekorps zur Sicherung der inneren 
Flügel der k. u. k. 3. und 4. Armee ein. Aber dieses Korps war nach Golo¬ 
win viel zu schwach und nicht imstande, den Vormarsch der russischen
	        
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