Full text: Das Kriegsjahr 1917 ; 6. Das Kriegsjahr 1917 ; [Textbd.] ; (6. Das Kriegsjahr 1917 ; [Textbd.] ;)

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Die Herbstoffensive gegen Italien 
den Wunsch nach einer aus englischen und aus französischen Divisionen 
gebildeten Manövriermasse äußerte, wurde die Stärke der Unterstützungs¬ 
armee auf acht, von den beiden Westmächten zu gleichen Teilen bei¬ 
zustellenden Divisionen erhöht1). Offenbar hat der von Foch und 
Robertson mißliebig aufgenommene Wunsch Cadornas, immer stärkere 
Kräfte der Alliierten nach Italien zu ziehen, die durch die Niederlage 
erschütterte Stellung Cadornas schließlich ebensowenig gebessert, wie sein 
verblümter Antrag auf Einleitung von Verhandlungen mit dem Gegner. 
Für die siegreichen Verbündeten hatte die Erzwingung des Taglia- 
mentoüberganges eine Lage geschaffen, die zur Fassung neuer Ent¬ 
schlüsse zwang. 
Gdl. Ludendorff ließ am 3.November das k. u. k. AOK. wissen, daß 
er die Offensive in Venetien nur bis zum Piave fortzusetzen gedenke. 
Hierauf würden deutsche Truppen aus Venetien abgezogen werden, vor¬ 
ausgesetzt, daß die Entente nicht mehr als etwa acht bis zehn Divisionen 
nach Italien überführe. Bei dieser Gelegenheit eröffnete Ludendorff 
auch zum ersten Male, daß die DOHL. im Frühjahr 1918 einen Waffen¬ 
erfolg im Westen anstrebe. „Hiebei werden möglichst starke deutsche 
Truppen verwendet. Die Teilnahme von k. u. k. Divisionen wird will¬ 
kommen sein, Artillerie schon vorher jederzeit." 
Diese Zielsetzung der DOHL. wurde von Baden aus mit Absicht 
nicht weiter bekanntgegeben, um den Schwung der Verfolgung durch 
allfälliges Herausziehen von Divisionen und durch Ablösungen nicht zu 
beeinträchtigen2). In Unkenntnis derselben befahl Erzherzog Eugen am 
4. November die Fortsetzung der Offensive, um mindestens die Brenta 
zu gewinnen. Hiezu sollten sich die bereits am Feinde stehenden und 
die in nächster Zeit über den Tagliamento gelangenden Divisionen den 
Italienern an die Fersen heften, um dem Feinde ein Festsetzen am Piave 
unmöglich zu machen. 
Im einzelnen wurde dem GO. Boroevic aufgetragen, raschestens, 
wenn vorerst auch nur mit einigen Divisionen, vorzudringen, und so 
womöglich den vor der 14. Armee zurückweichenden Feind nach Westen 
abzudrängen; überdies sollte der Generaloberst Venedig nehmen und 
im Einvernehmen mit dem Kommando der Flotte den Küstenschutz 
organisieren. Die 14. Armee, deren Vorrückungsstreifen im Norden zu¬ 
gunsten der 10. Armee verschmälert wurde, hatte ,,im unaufhaltsamen 
Vorstoß die Brentalinie zu erreichen" und hie durch auch der italienischen 
x) P a 1 a t, Foch, 124. 
2) Schrieiben des GM. Alfred Waldstätten an das Kriegsarchiv, vom 27. März 1936.
	        
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