Die Stärkeverhältnisse an der Isonzofront
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bis 29. Juni, diesen miteinbegriffen, wobei sich die italienische Infanterie
stetig näher an die Stellungen heranarbeitete und die Gefahr eines dem
Brückenkopfe drohenden Massenangriffes deutlich fühlen ließ. Deshalb
ermächtigte Gdl. Boroevic schon am 24. abends das XVI. Korpskmdo.,
im Bedarfsfalle auf die östlich von Görz als Armeereserve stehende
ll.GbBrig. zu greifen.
Bei Piava griff am 24-. je eine Brigade der 3. und der 33. ID. an. Sie
versuchten hiebei den Verteidigern der Höhe -<¡>-383 von Norden her bei¬
zukommen, wurden jedoch in ihre Ausgangsstellungen zurückgejagt und
erlitten mörderische Verluste, namentlich an Offizieren1). Das gleiche
Mißgeschick ereilte das italienische II. Korps, als es am nächsten Tage
bei strömendem Regen den Angriff erneuerte. Und auch am 26. ver¬
mochte die sich trefflich bewährende 1. GbBrig. die schon nur mehr matt
angreifenden Italiener zurückzuschlagen.
War es den wackeren Kämpfern der 5. Armee bis jetzt wohl ge¬
lungen, dem Feinde selbst den bescheidensten Raumgewinn streitig zu
machen, so verschloß sich das Armeekmdo. keineswegs der Erkenntnis,
daß der entscheidende Angriff erst bevorstand, der mit sehr unterlegenen
Kräften abgewehrt werden mußte. Dem 20 Bataillone starken XV. Korps
wußte es das durch Alpini und Bersaglieri verstärkte IV. Korps gegenüber.
Aber immerhin bot der Gebirgscharakter dieses Teiles der Armeefront
dennoch die Gewähr, daß der Abschnitt I trotz der bedeutenden Über¬
legenheit des tatsächlich 60 Bataillone starken Feindes mit den eigenen
Kräften das Auslangen finden werde. Den 26 Bataillonen des XVI. Korps
gegenüber nahm Gdl. Boroevic zutreffend das italienische II. und VI.
nebst Mobilmilizbrigaden mit etwa 80 Bataillonen an; das von 40 Ba¬
taillonen verteidigte Karstplateau wußte er vom XI., X. und VII. Korps
der Italiener, zusammen auf etwa 75 Bataillone geschätzt, umschlossen,
ungerechnet die zwei schon am Isonzo festgestellten Kavallerie di visionen
und die sonstigen herangeholten Heeresreserven. Die Abschnitte II und
III würden also jedenfalls Reserven gebraucht haben. Doch standen
dem Gdl. Boroevic nur mehr drei Marschbataillone bei Merna, vier
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Bataillone und sechs Batterien von der 48. ID. — die übrigens bedin¬
gungsweise schon dem XVI. Korps zugewiesen waren — südöstlich von
Görz, und die nur fünf Bataillone zählende 44. SchD. zur Verfügung.
Aber auch die letztgenannte sollte nicht mehr lange in seinem Be¬
fehlsbereiche bleiben. Denn mittlerweile hatten die unerfreulichen Ereig¬
nisse auf dem Krn ergeben (S. 533), daß bei der 20. HID. Truppe und
i) Tosti, 74.
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