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Der Karpathenwinter 1914/15
korps nach Maßgabe seines Eintreffens dort, und zwar entweder in den
Abschnitt des X.1) oder des VII. Korps in die Kampffront eingesetzt und
mindestens drei öst.-ung. Divisionen aus den Stellungen gelöst werden.
Da ein Einbruch des Feindes über Berehy-Grn, und Ustrzyki-Grn. den
rechten Flügel der 2. Armee aufs äußerste gefährden, den Verlust des
Uzsokpasses und damit auch jenen des von der Südarmee hart erkämpften
Raumes zur Folge haben würde, sollte Linsingen, zunächst bei Beschrän¬
kung auf die Defensive, seinen Westflügel strecken und möglichst starke
Teile der 38. HID. zur Verfügung des 2. Armeekmdos. stellen.
Die Gewinnung von Reserven durch die vorangehende Ablösung eines
öst.-ung. durch das deutsche Korps erscheint auf den ersten Blick be¬
fremdlich. Nach den Vereinbarungen der beiden Heeresleitungen sollte
jedoch der Verband des Beskidenkorps nicht zerrissen werden, was bei
einem anderen Verfahren nicht unbedingt gewährleistet war. Auch wollte
man umständliche Änderungen der bereits eingeleiteten Nachschubs Vor¬
kehrungen vermeiden. Eine „rasche" Reservenbildung konnte freilich auf
diese Weise nicht stattfinden, zumal die deutschen Divisionen noch lange
nicht vollständig eingetroffen waren.
Die letzten Märzkämpfe bei der Armeegruppe
Pflanzer-Baltin und bei der Südarmee
Hiezu Beilage 11 sowie Skizzen 16, 19, 20 und 21
Die Hoffnung des GdK. Pflanzer-Baltin auf ausgiebige Verstärkungen,
die ihm durch die Befehle der Heeresleitung vom 17. und 19. März (S. 226)
in Aussicht gestellt worden waren, zerrannen, als die Russen gegen die
Armee Boroevic vom 20. an vorzustürmen begannen und damit die Zurück¬
behaltung der beiden Infanteriebrigaden und der4. KD. erzwangen (S.228).
Der Armeegruppenführer erhielt nur die 8. KD. der 2. Armee, deren erste
Transporte am 23. von Nagymihály abrollten. Hiedurch wurde das un¬
günstige Kräfteverhältnis gegenüber der 9. Armee Letschitzkis wenig ge¬
bessert. Pflanzer-Baltin mußte in der nächsten Zeit gegen feindliche Über¬
macht einen schwierigen Abwehrkampf nach drei Seiten führen. Wurde
diese Verteidigungsaufgabe von der Armeegruppe auch trefflich gelöst, so
fiel ihre Tätigkeit doch gegen die ursprüngliche Absicht aus dem Rahmen
des Gesamtfeldzuges; sie vermochte der Südarmee nicht mehr den Weg
1) Gdl. Hugo Meixner hatte am 27. wieder die Führung des X. und FML. Kraut¬
wald jene des III. Korps übernommen.