Full text: Geschichte des Steirischen K. u. K. Infanterie-Regimentes Nr. 27 Band II (II. / 1937)

man behalf sich bei der Ausbildung der neu eingerückten Landsturmmänner selbst mit 
Holzgewehren —, allein die Ergebnisse konnten keine befriedigenden sein. Erst in 
den letzten Ausbildungswochen bekamen sie ihre Gewehre. War es ziemlich gleich¬ 
gültig, daß die Mannschaft des Ersatzbataillons zumeist mit alten blauen Monturen 
bekleidet war, so wurde die seldmäßige Bekleidung und Ausrüstung der Marsch¬ 
bataillone zu einem Problem. Die Monturdepots waren leer, auf Lieferungen mußte 
gewartet, vieles mußte im Handeinkaufe beschafft werden. Am schlechtesten stand es 
mit der Beschuhung. Erst im letzten Augenblicke war sie zu erlangen, und oft war 
sie von höchst zweifelhafter Beschaffenheit. Minderes Leder, Lederersatz, mangelhafte 
Ausarbeitung und unsachgemäße Bepslockung waren Ursache, daß manchmal schon 
bei den ersten Märschen die Schuhe zugrunde gingen und Schuhdruck verursachten. 
Die Mannschaft trug deshalb größtenteils ihr eigenes Schuhwerk. Erst allmählich 
vermochte die Industrie ihren Ausgaben nachzukommen, und es trat eine Besserung 
ein. Aber die Zeit blieb nicht aus, in der bei zunehmender Materialnot die 
Monturen sich rasch verschlechterten. So griff man bei der Ausrüstung auf instand¬ 
gesetzte alte Monturen und schließlich auch aus minderwertige Hinterlandsmonturen, 
während die Leute beim Ersatzbataillon mit notdürftig geflickten alten Sorten 
bekleidet wurden. Bitter rächte sich auch hier die engherzige Sparsamkeit im 
Frieden. 
Erst leise, dann lauter auskommende Klagen, Zweifelsucht, Niedergeschlagenheit 
mußten gebannt werden. Der gute Älplergeist wirkte auch beim Ersatzkörper in 
allen schwierigen Lagen ausgleichend. Mit wenigen Ausnahmen konnten die Marsch¬ 
formationen zu den festgesetzten Terminen marschbereit gemacht werden K 
Systematisch wurde die Ausbildung erst in späterer Zeit gehandhabt, als durch 
Bildung von Ausbildungsgruppen hinter der Front die Ausbildung der Marsch- 
formationen eine feste Grundlage erhielt. 
Angesichts des fortwährenden Wechsels von Offizier und Mann bedurfte der 
Ersatzkörper einer straffen Organisation, die erst nach und nach geschaffen und den 
augenblicklichen Erfordernissen angepaßt werden mußte. Die im Frieden ausge¬ 
arbeiteten Vorschriften, nur auf eine kurze Kriegsdauer zugeschnitten, erwiesen sich 
als völlig unzulänglich. 
Unter Obst. d. R. Gustav Rubritius, der als Kommandant des KIR. 4 ins Feld 
gezogen war und am 1. August 191-5 das Kommando des Ersatzbataillons übernahm, 
wurde der Grund für den organisatorischen Aufbau des 27er-Ersatzkörpers gelegt. 
Dieser ausgezeichnete Kommandant, Typus des altösterreichischen Offiziers, hatte 
stets das Wohl des Ganzen im Auge. Hart gegen sich selbst, forderte er von jedem 
unbedingtes Pflichtgesühl, straffe Ordnung. Obst. Rubritius vereinte ein vielseitiges 
militärisches Wissen mit einer vorbildlichen Arbeitslust. Er schaffte alle überflüssigen, 
noch aus der Friedenszeit stammenden Übungen ab und verfaßte Direktiven über 
die Ausbildungsziele. Das 27er-Ersatzbataillon verdankte Obst. Rubritius die Grund¬ 
lage seiner neuen Organisation. 
Eine ganz hervorragende Kraft erstand zu gleicher Zeit dem Ersatzbataillon in 
seinem zweiten Stabsoffizier, Obstlt. Richard Sallinger. Im Frieden als Major d. R. 
beim HI. Korpskmdo. eingeteilt, verblieb er bei Kriegsbeginn beim neu aufgestellten 
1 Aus der diesem Abschnitte eingefügten Übersicht über sämtliche Marschbataillone können 
Einzelheiten entnommen werden. 
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