Full text: Geschichte des Steirischen K. u. K. Infanterie-Regimentes Nr. 27 Band II (II. / 1937)

Erst wenn es nachtete, entfloh alles dem Kavernendasein. Geschäftiges Treiben 
herrschte bann besonders bei den Kommandokavernen, bei denen sich die braven 
Tragtierführer mit ihren vierbeinigen Schicksalsgenossen allnächtlich einstellten. 
Durch die dunkle Stenfleschlucht kamen sie herauf, brachten Speise und wärmen¬ 
den Trank, die Vater Brey in nimmermüder Fürsorge bereit hielt. Die am Neu¬ 
jahrstage aufgehobene Urlaubssperre hob die Stimmung. 
Wie es um den schon dringend nötigen Ersatz stand, zeigte der 2. Jänner auf, 2.1. 
an dem Lt. i. d. R. Silberbauer mit der 1. MaKomp. des XXXIII. MaBaons. auf 
Mt. di Val Bella eintraf. 54 Mann sollten die großen Lücken füllen! Es war nicht 
einmal ein „Tropfen" gegenüber den täglichen Abgängen, wenn diese auch dank 
eingetretener Kampfruhe und bescheidener Verbesserung der materiellen Lage sich 
in der Folgezeit in Grenzen hielten. 
„Vom IV. Baon. allnächtlich in die Talung entsendete Patrouillen entdeckten dort ein 
italienisches Magazin, vollgepfropft mit italienischen Ausrüstungsstücken und englischen Liebes¬ 
gaben. Mannschaft und Offiziere, deren Kleidung und Beschuhung den winterlichen Stra¬ 
pazen keineswegs mehr entsprachen, wurden nun aus diesem Magazin völlig neu mit Fäust¬ 
lingen, Sweatern, Wollhauben u. dgl. ausgerüstet; gar mancher bekam auch Schuhe. Schließlich 
mußte seitens des Baonskmdos. eingeschritten werden, weil wir bei unserer eigenen Mann¬ 
schaft uns schließlich nicht mehr auskannten, ob man nach der Kleidung einen Österreicher 
oder Italiener vor sich habe. Bei diesem Magazin kam es auch einigemal mit den Italienern 
nicht zu Gefechten, aber zu Raufereien, da sich auch die Italiener aus diesem Niemandsland 
einen Kälteschutz holen wollten. In Erinnerung ist mir folgender Vorfall: Ich sah einige Mann¬ 
schaften, wie sie einen etwas unbekannten Artikel, nämlich Kartoffel, andrerseits in einer 
Menageschale eine nach Kampfer riechende, stark überschäumende Flüssigkeit kochten. Auf 
mein Befragen, was die Leute machen, erklärten sie mir, daß sie nachts in dem vorerwähnten 
Magazin einen kleinen Sack und weiters eine große Büchse mit Fett gefunden hätten. 
Als ich die Leute aufklärte, daß dieses Fett nichts anderes als eine Frostsalbe sei, welcher 
Kampfer beigemengt ist, erklärten sie mir, daß dies gar nichts mache, der „Fam" (Schaum) 
würde eben abgeschöpft; es stinke wohl ein bißchen, aber es sei halt doch Fett. Durch Krank¬ 
heiten und Erfrierungen erlitten wir täglich Verluste. Lediglich die ersehnte und versprochene 
Retablierung hielt Offiziere und Mannschaft aufrecht. Jeder sagte sich, es sei besser, aus 
Retablierung zu gehen und von dort vielleicht einen Urlaub zu bekommen, als weiß Gott 
wohin in ein Spital verschickt zu werden1.“ 
Nach der Ablösung des Baons. III/bh. IR. 4 in der Nacht zum 3. war der von 3.1. 
der Val-Bella-Kuppe bis an das Melagotal reichende Wehrabschnitt nunmehr den 
vier Bataillonen des Regimentes und der noch verbliebenen HochgbKomp. 22 unter 
Oblt. i. d. R. Dr. Prohaska anvertraut. Alle anderen an der Eroberung des 
Mt. di Val Bella beteiligten Bataillone waren abgezogen, mit Ausnahme der 
Siebenbürger des wackeren Baons. 1/51, die Schulter an Schulter mit Steirern und 
Kramern standen (s. Skizze 32). 
Das andauernd heitere Wetter wendete sich am 7. Jänner. Morgennebel hemmte 7.1. 
jedwede Sicht, dazu genutzt, die Grabentrace festzulegen. Später fiel reichlich Schnee 
und hüllte das Kampfgelände in winterliches Kleid. 
An diesem Tage tauschte Obst. v. Siegl fein Kavernenquartier mit dem Stand- 10.1. 
orte des 12. IBrigKmdos. in Campanella, um GM. de Brunfaut während seines 
Urlaubes zu vertreten. Da auch Obftlt. Novak am 10. vom Mt. di Val Bella schied, 
um nach Ablauf seines Urlaubes das Kommando des Ersatzbaons. in Graz zu 
übernehmen, führte von diesem Tage an Obstlt. Righetti das Regimentskmdo. 
1 Nach einem Berichte des Adjutanten des IV. Baons., LstLt. Dr. Vogl. 
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