kämpfen, die noch nirgends den Ansatz zu irgendeiner Entscheidung oder auch nur
maßgebender Einwirkung aus die Gesamtkriegslage zeigten*.
Die k. u. k. Wehrmacht versetzte die Nachricht von der Kriegserklärung in
hellen Jubel.
Noch einmal — das letztenmal — erlebte in diesen Pfingsttagen Grillparzers
Ruf an die Armee Vater Radetzky seine Auferstehung „In deinem Lager ist
Österreich."
Das X./27. Marschbataillon
Skizze 59
Im kärntnerisch-friaulischen Grenzgebiete südwestlich von Tarvis liegt die Wun¬
derwelt der Westjulischen Alpen, die derPredilpaß vom Ostjuliergipfelreiche scheidet.
Überraschend öffnet sich von der Paßhöhe ein wundervoller Blick aus den
Raibler See, dessen dunkelgrüner Spiegel, von weißschimmernden Schutthalden ein¬
gefaßt, den Beschauer gefangenhält. über das Seebachtal hinweg, durch das ein
Pfad zum Neveasattel ins Welsche emporsteigt und hinab ins Raccolanatal führt,
hastet das Auge ergriffen an der Kletterburg des Wischberg, dessen Nordmauern
dem Seisseratale zugewendet sind, dem am nördlichen Talausgange lieblich hin¬
gebetteten Wolfsbach die Ruhe ewiger Schönheit verleihend.
Ein langgestreckter, von hochbordigen Felswänden flankierter Torweg furcht
an des Wischbergs Westflanke entlang des schmalen Tiefenspalts der Sprache, deren
gewaltige, reichverzweigte Hochkare hier in die Seissera ausmünden.
Zur Seite dieses engen Riesentores, das zur Zeit der Schneeschmelze oder nach
anhaltenden Regengüssen ungeheure Massen von Geröll und Schutt auswirft, türmt
sich neben dem Hochaltar des Wischbergs, aus der Seissera erschaut, der Montasch
in erschauernden Wänden: ein Bild von ergreifender, niederzwingender Wucht, von
traumhafter Pracht, eine Wunderwelt reichgegliederter Wände. Einem Riesen¬
drachen gleich, hervorgezaubert aus dem Reiche phantastischer Träume, liegt der
Montasch vor dem zur Seisserahütte Hinansteigenden.
Das ganze Canale di Dogna liegt im Bannkreise des Montasch, des „Königs
von Dogna".
Nordwärts des Dognagrabens steigt die langgestreckte Kulisse des Karnischen
Kammes empor. Sein Ostpfeiler, der ragende Mittagskosel, greift als gewaltiger
Zack ms Kärntner Land.
In dieses gottbegnadete Alpenland sollten die 27er des X. MaBaons. einziehen.
6.5. Am 6. Mai entführte der um 8 Uhr morgens von Graz abrollende Zug das
tags zuvor alarmierte und während der Nacht eilends mit Gebirgsausrüstung ver¬
sehene Bataillon. In der folgenden Nacht war man am Ziele: durch die nacht¬
dunklen Gassen von Tarvis ging es zu den stark beengten Quartieren. In den
nächsten Tagen vollendete das Bataillon, das für den russischen Kriegsschauplatz
bestimmt gewesen war und dessen Abberufung nach Slldwest überraschend kam, die
Umrüstung und die Organisation als selbständiges Bataillon.
Das X. MaBaon. — Kmdt. Mjr. Otmar Novak, Adj. Oblt. Freudenreich, ProvOffz.
Lt. i. d. R. Otmar Biüitz, Baonsarzt LstAstArzt Dr. Walter Bylosf, LstLtRechnf.
1 Österreich-Ungarns Letzter Krieg, II., 512.
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