Full text: Flandern 1917 [27] (Band 27/1928)

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Der Adjutant macht eine mühsame Bewegung und erhebt sich. Er 
ist ein baumlanger Mensch. Er fährt sich mit dem rechten Unterarm über 
die Stirn und streicht seine schwarzen Haare nach hinten. 
Die Meldegänger kehren von den Kompagnien zurück und melden 
Ausführung ihrer Befehls. Dann sitzen sie alle um einen Tisch aus zwei 
ungehobelten Brettern, trinken Kaffee aus dem Kochgeschirrdeckel, 
schneiden sich Brot in große Stücke und schieben die Würfel langsam und 
nacheinander zwischen die Zähne. 
Dann kommt der Kommandeur und alles erhebt sich. Er dankt und 
nimmt den Stahlhelm ab. Er spricht mit dem Adjutanten. Dann füllt 
er behutsam seine Zigarrentasche aus einer Kiste, die in der Tischschub- 
lade liegt. Zehn Stück wandern in das Etui. Nummer elf und zwölf, für 
den Vormarsch bestimmt, steckt er in die äußere Brusttasche seiner Bluse. 
Die Kompagnieführer kommen, um zu melden. An der Küche 
klappern die Kochgeschirre. 
Das Regiment fragt, ob das Bataillon abmarschbereit sei. Es sollen 
am Ortsausgang noch Handgranaten empfangen werden. 
Der Ortskommandant schickt eine Ordonnanz mit einem Schreiben, 
worin er die Bestrafung dreier Musketiere verlangt, die gestern vom 
Felde Kartoffel gestohlen haben. Der Bizefeldwebel zwinkert den Tele- 
phoniften zu, der Adjutant lächelt ein Siemz. Der Kommandeur 
brummt, daß man ihn nicht zu dem Festessen eingeladen hat. Laut sagt 
er, Diebstahl sei eine verwerfliche Sache und Diebesgut gedeihe nicht. 
Der blaffe Schein am Himmel ist stärker geworden. 
Das Trommelfeuer rollt und rollt und rollt . . . 
* 
Der Karte nach liegt man bei Bijfwegen südöstlich vom Houthulster 
Wald, aus dem ein wildes Konzert deutscher Batterien hervorschlägt. 
Der ganze Wald scheint verhext. 
Man kann nicht weit sehen in dem scheußlichen Nebel, aber bis zu 
den schattenhaften Umrissen der Mühle am Fünfwegekreuz reicht der 
Blick schon. Vor der Mühle hält der Regimentsstab und wartet auf 
weitere Befehle. Die großen Flüge! stehen feit langem still. Einer davon 
ist bis zum Rumpf abgerissen von einer schweren Granate. 
Die Kompagnien hocken in Grabenstücken. Hier läuft die dritte 
deutsche Reservestellung durch die Mulden nach Westroosebeke hinauf. 
Man kann das Dorf nicht sehen, aber der Höllenlärm niederprasselnder 
Granaten, der durch den Nebel von Süden heranbricht, verrät seine Lage.
	        

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