Full text: Flandern 1917 [27] (Band 27/1928)

II. 
Wijtschaie. 
einem Gelände ist hier die Rede, das kaum fünfundzwanzig 
^^^Kilometer breit und an seinen weitesten Einbuchtungen etwa zehn 
Kilometer tief ist. Es reicht von Boesingen im Norden der Stadt Dpern 
über Langemark, Poelkapelle, Passchendale, Zonnebeke, Geluveld, 
Zandvoorde bis nach Hollebeke, hart südöstlich der Stadt, wo der Dser- 
kanal sich von der Bahnlinie trennt. 
Vier Monate, vom letzten Tage des Juli 1917 gerechnet, wälzte der 
flandrische Tod sich in diesem Streifen hin und her und zählte, als Schnee 
und Wasser ihm Einhalt geboten, weit über hundert zerschmetterte 
Divisionen, deutsche und englische, einige Dutzend Millionen verfeuerter 
Granaten, eine Anzahl verwüsteter und dem Erdboden gleichgemachter 
Dörfer und eine in Schutt und Geröll versunkene Stadt. 
Kein Tag, an dem er nicht wenigstens einem Tausend von Menschen 
seine Hand auf die Schulter gelegt. Keine Minute, in der sein Lärm und 
sein Gebrüll verstummte. An dreizehn Großkampftagen feierte er wilde 
Orgien von Mitternacht über den Morgen in den Mittag und bis spät 
in den trostlosen Abend. Und wenn er sich umsah, um den Gewinn des 
Tages zu betrachten, war es nicht mehr als ein paar Quadratkilometer 
Schlamm, zertrommelte Waldstücke, zerrissene Maschinengewehre, um- 
gewühlte Betonklötze, eingestürzte Keller und ein Leichenfeld. 
Aber er ruhte nicht. Was kümmerte es ihn, daß die Toten liegen 
blieben, dem Grundwasser ein Fraß, der Sonnenhitze und dem Geschoß- 
Hagel? Er war vollauf beschäftigt, seine Batterien vorwärtszuschasfen 
durch Dreck und Trümmer, immer staffelweise, damit nur ja keine 
Pause eintreten könnte, in dem grandiosen Spektakel, das er sich aus- 
gedacht. Er duldete nicht, daß sich die Menschen in die Erde verkrochen
	        

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