Volltext: Flandern 1917 [27] (Band 27/1928)

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sind von etwa hunderttausend eingemeißelten Namen. Hinter jedem 
Namen ein Datum. Hinter jedem Datum eine Zahl, die das Lebens- 
alter angibt. 
Es ist das Tor von Meenen, das n e u e Tor, ein gewaltiges Denk- 
mal, den Engländern errichtet, die um Vpern starben, in jener mörde- 
rischen, vier Monate währenden Schlacht. 
Hinter dem Tor biegt nach rechts ein Weg ab und führt im Kreise 
um Bpern, zwischen sich und der alten Stadtmauer das dunkle Wasser 
der Majorgraacht. 
Die Mauer ist zerborsten und zersplittert. Rund ausgebaucht sind 
die Spuren der schweren Granaten, die gegen sie geprallt. In der 
Graacht spiegelt sich der Mond lautlos, unbewegt und klar. Das Wasser 
stinkt faulig wie nach Leichen. Oben auf der Bastei über der Mauer 
wandeln Arm in Arm, eng aneinandergepreßt, die Liebespärchen, die 
sich vom grooten Platz zurückgezogen haben. 
Vom Land her kommt kaum ein Laut. Nur ein Hund bellt irgendwo 
in der Ebene den Mond an mit langgezogenem Geheul. Frösche quaken 
im Schilf am Rande der Graacht. 
Weit entfernt klingt der Lärm vom grooten Platz. Das macht die 
Mauer, die dazwischen liegt und über deren Rand nur die Giebelspitzen 
der neuen Häuser lugen. 
Hier ist die äußerste südöstliche Bastei. Die Lichter dort drüben 
müssen von Zillebeke stammen. In der Ferne schleicht ein Eisenbahnzug 
mit erleuchteten Fenstern südwärts nach Houthem. Der Weg, die 
Graacht und die Mauer biegen scharf nach Westen um. Die Graacht 
verbreitert sich stattlich. Oben von der Bastei herab dehnt ein riefen- 
Haftes Kreuz feine weißen Arme im Mondlicht. Es ist die äußerste 
Spitze des Engländerfriedhofes, der jenen Stadtteil innerhalb der 
Mauer ausfüllt. 
Man müßte nun den Totenfinger auf dem Kemmel sehen können. 
Aber die Nacht ist kalt und sammelt Nebel in allen Niederungen. Blickt 
man ruhig auf das Wasser der Graacht, so kann man beobachten, wie 
der weiße Hauch lautlos der Fläche entsteigt und sich langsam in Be- 
wegung setzt, dem Lande zu, wo noch mächtige, grasüberwucherte Erd- 
löcher zeugen von dem, was vor zehn Iahren hier war. 
Die Nebel, die der Graacht entsteigen, sammeln sich hundert Meter 
abseits im Felde, lagern sich in den Erdlöchern und stehen frierend um 
das Gestrüpp, das hier wuchert. Dort stehen sie geduldig und warten, 
und immer neue steigen aus der Graacht und gesellen sich langsam zu
	        

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