Full text: Flandern 1917 [27] (Band 27/1928)

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schen nicht etwa der Gedanke kam, die Schlacht sei bereits zu ihren 
Gunsten entschieden. So wurde auch weiterhin ein starker Verbrauch bei 
den deutschen Kampftruppen bewirkt, der den Alliierten an anderen 
Frontabschnitten zugute kam. 
Als man Anfang September auf englischer Seite umfangreiche Ab- 
lösungen erkannte, die sich fast auf die ganze bisherige Angriffsfront 
erstreckten, war das deutsche Armeeoberkommando sich darüber klar, 
daß der Gegner die Schlacht fortzusetzen gedachte. Bald brachten auch 
Gefangenenaussagen die Bestätigung. Trotz anhaltenden schlechten 
Wetters waren die deutschen Flieger auf dem Posten und stellten eine 
starke Vermehrung der englischen Truppenlager hinter der Angriffs- 
front, besonders vor dem Abschnitt der Gruppe Bpern, fest. 
Viele Anzeichen sprachen dafür, daß die Fortsetzung des Angriffs 
erst in einiger Zeit zu erwarten war. Die Engländer gaben sich Mühe, 
aus den bisherigen Ereignissen taktische Folgerungen zu ziehen und sich 
mehr als bisher auf die Eigenarten der Flandernschlacht und die deutsche 
Abwehrtaktik einzustellen. 
Sie hielten an dem Grundsatz der schrittweisen Niederhämmerung 
der deutschen Front fest, aber sie hatten erkannt, daß die Stärke der 
deutschen Abwehr im offensiven Gegenstoß aus einem Räume tief hinter 
der vorderen Stellungszone lag. Fast regelmäßig waren die beträcht- 
lichen englischen Anfangsgewinne durch das Vorgehen der deutschen 
Eingreifdivisionen verlorengegangen. Endlich waren die Engländer 
dahinter gekommen, wie unverhältnismäßig dünn die Deutschen ihre 
vordere Linie besetzten, und in welchem Mißverhältnis dazu der un- 
geheure Aufwand zur Eroberung dieses Streifens stand. Es handelte 
sich eigentlich gar nicht um ein „Erobern", sondern lediglich um ein 
„Besetzen." Die Schwierigkeit begann erst mit dem Hineintragen des 
Angriffs in die deutsche Hauptwiderstandslinie und darüber hinaus. 
Nicht mit den Besatzungen des deutschen Vorfeldes war der entscheidende 
Kampf auszutragen, sondern mit den Bereitschaften und Reserven, die 
zum Gegenstoß vorgingen, um das verlorene Gelände wiederzunehmen. 
Ihre Gegenmaßnahmen teilten die Engländer nun in zwei Gruppen, 
deren erste die Vorbereitung des Angriffs und deren zweite seine Durch- 
sührung betraf. Zunächst war man sich klar darüber, daß die einzelnen 
Angriffsstöße schneller hintereinander stattfinden mußten, um die Deut- 
schen zu verhindern, jedesmal die erforderliche Anzahl neuer Eingretf- 
divisionen heranzuführen und in ihre Aufgaben einzuweisen. Sodann 
war das vorbereitende Artilleriefeuer viel mehr als bisher auf alle 
Flandern 1917. 8
	        

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