Full text: Flandern 1917 [27] (Band 27/1928)

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ihre Beobachtungen freigebig und reichlich mit schwerem Flachfeuer 
von jenseits des Merkmals her. 
Zudem lag zwischen Schreiboom und der Bahn ein deutsches 
Feldartillerienest, aus drei vorgeschobenen Batterien bestehend. Auch 
daran nahm der Engländer Anstoß und befunkte den Raum nächtens 
mit Gas und am Tage mit Brisanzmunition, daß den deutschen Arttl* 
leristen Hören und Sehen verging. Wie oft muhten sie ihre Geschütze 
vorübergehend stehen lassen und in den Trümmern von Schreiboom 
einen kümmerlichen Schutz suchen. 
Das alles war einmal. Seit dem letzten Augustdrittel kracht das 
morgendliche englische Vernichtungsfeuer diesseits von Langemark, und 
die deutschen Batterien, soweit sie ihre Rohre haben bergen können, 
hocken in einem neuen Sumpfnest hinter der Straße von Poelkapelle 
nach dem Houthulster Wald. Bon dort her zischen ihre Eisentöpfe haar- 
scharf über Schreiboom hinweg und schlagen Schwärme von Funken 
aus den rauchenden Steinhaufen, die einst Langemark hießen. 
Schreiboom hat eine Metamorphose durchgemacht, die sehr zu 
seinen Ungunsten ausgefallen ist. Geradezu schauderhaft aber ist es ge- 
worden, seit der Regen eingesetzt hat. 
Der Boden zwischen dem Steenbeek und dem Broenbeek erhebt 
sich kaum um einen einzigen Meter über den Spiegel der Bachläufe. 
Die Bachläufe sind von abertausend Granateinschlägen zerfetzt und ver- 
quollen und als solche überhaupt nicht mehr zu erkennen. Das ganze 
Zwischengelände kst ein einziger Trichtermorast, braun, klebrig, ver- 
schlämmt und ungangbar. Nur der höher gelegene Bahnkörper und 
der festere Unterbau der Straße gestatten noch einen bescheidenen Ver- 
kehr zwischen dem Vorfeld und der Hauptwiderstandslinie. 
Mit geschwollenen Füßen, bis auf die Haut vom Regen durchnäßt, 
vervreckt und verschmiert, liegen die Postierungen am Ostrand von 
Langemark. Nicht einmal das Brot im Brotbeutel bleibt trocken. Die 
Gewehre und leichten Maschinengewehre verschlammen, wenn man sie 
auch vorsichtig auf die Ränder der Trichter legt. Was nützt es, wenn 
die Zeltbahnen das Wasser von oben abhalten. Es kommt von allen 
Seiten und von unten, und man müßte jeder Gruppe ein Ponton mit- 
geben, wenn man sie gegen dieses nasse Elend einigermaßen schützen 
wollte. 
Das alles könnte man wohl noch ertragen, wenn der Engländer 
nicht wäre. Aber seit die Tommies Grund haben, zu befürchten, daß
	        

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