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weckten in ihm den Plan, durch andauernde Angriffe den ermüdeten
Gegner zu erschüttern und in zäher Arbeit allmählich das zu erreichen,
was in einmaliger Schlachtentscheidung nicht erreichbar war. Die fran-
zösische Heeresleitung billigte F r e n ch' s Absichten vollkommen und
speiste ihn, soweit es ihr möglich war, mit französischen Reserven. Man
darf nicht vergessen, daß damals die ganze Welt die Entscheidung des
Feldzuges noch von dem Ausgang der Schlacht um Fpern erwartete.
Bald merkten die deutschen Reservekorps, daß hinter den täglichen
und nächtlichen Angriffen des Gegners ein System lag, daß der Gegner
den Versuch machte, allmählich von sich aus bestimmenden Einfluß auf
den Gang der Schlacht zu nehmen. Sie hatten diesem Versuche nichts
entgegenzustellen als ihre Leiber. Das Armeeoberkommando fürchtete
besonders für die Nahtstelle zwischen dem XXVI. und XXVH. Reserve¬
korps und stellte dort die 37. Landwehrbrigade, die 2.Reserve-Ersatz-
brigade, Teile der Marinedivision und Teile der 38. Landwehrbrigade
aus. Dem Gegner kam sehr zu statten, daß er nach wie vor im Besitze
der Höhenstellungen war und darum über eine ausgezeichnete Beob-
achtungsmöglichkeit verfügte. Besonders heftige Angriffe richteten sich
am 26. und 27. Oktober gegen die deutsche Front bei Poelkappelle und
Passchendaele. Nach und nach mußten hier die sämtlichen Armeereserven
eingeschoben werden. Am 26. Oktober fiel der Führer der Landwehr,
Generalleutnant vonMeyer. Überall gelang es, die deutschen Linien,
die teilweise unter den hartnäckigen Angriffsstößen ins Wanken kamen,
wiederherzustellen. Ebenso schlimm war die schwere Krise, die schon am
24. Oktober bei der sächsischen 33. Reserve-Division in der Gegend von
Zonnebeke eingetreten war. Nur durch das energische Eingreifen der
Divisionsfeldartillerie, die hinter die zurückgehenden Schützenlinien einen
dichten Sperrfeuergürtel legte, gelang es, ernste Folgen zu verhindern.
Auch die Stellung der 34. Reserve-Division, der Württemberger, wurde
von einem fürchterlichen Stoß getroffen. Schon verbreiteten sich Gerüchte,
Becelaere sei umzingelt und genommen. Aber die württembergischen
Regimenter gingen mit dem Bajonett vor und trieben den Gegner zurück.
Am 28. Oktober schien der Feind durch seine verlustreichen Angriffe
erschöpft, es kam nur zu unbedeutenden Aktionen. Auch der 29. ging
verhältnismäßig ruhig vorüber.
Bei Dadizeele traf als Reserve die 6. bayerische Reserve-Division ein.
Das Armeeoberkommando schöpfte neue Hoffnung.