Karl Derndorfer
Tagebuch einer Fernfahrt im Kajak-Zweier
einem Kajak oder Riemenboot, aber
sogar mit einem Canadier hätte ich
dies nie machen können.
Mein Freund und Vereinskollege Karl
Derndorfer hat heuer mit seiner Frau
eine außerordentliche sportliche Leis¬
tung erbracht. Er ist im Kajak-Zweier
von Linz auf der Donau bis weit über
Ulm hinaus und wieder. zurück nach
Linz gefahren. Sein Bericht schildext
diese Fahrt sehr interessant und an¬
schaulich. Wer diese Fahrtenschilderung
gelesen hat, wird mir recht geben, daß
diese Fahrt einmalig war. So leicht
wird sie niemand anderer wiederholen.
Denn ob Derndorfer will oder nicht, er
hat damit den Beweis erbracht, daß
der Kajak zum Wasserwandern ebenso
ungeeignet ist wie der Bergschuh zum
Tennisspielen.
Rennbahnbreite neun Meter
Das Rennsport-Komitee der ICF faßte
einen Beschluß über eine Änderung
der Rennbahn-Breite. Die bisher fest¬
gelegte Breite von sechs Metern ermög¬
lichte es zwei Rennfahrern, von ihrer
Fahrtrichtung derart abzuweichen, daß
sie sich bis auf eineinhalb Meter nahe
kamen. Dies wiedersprach aber der Be¬
stimmung über den Fünf-Meter-Ab-
stand. Weiterhin war bei markierten
Bahnen die Möglichkeit gegeben, daß
der an der Spitze liegende Fahrer ge¬
nau in der Mitte seiner Bahn paddelte,
der Fahrer in der benachbarten Bahn
aber bis knapp an die Boje heranfuhr
und so ohne seine Bahn zu verlassen
auf der Welle des Spitzenfahrers mit¬
reiten konnte.
Bei wichtigen Wettkämpfen wird nun
die Breite der Rennbahnen auf neun
Meter erweitert. Damit soll die Um¬
gehung der Vorschrift über den Fünf-
Meter-Abstand ausgeschlossen werden.
Die Regel, daß ein Abstand von fünf
Metern zu halten ist, gilt weiterhin.
Die Änderung der Wettkampfbestim¬
mungen tritt erst mit 1. Jänner 1961 in
Kraft. Bei der olympischen Regatta
1960 wird jedoch die Bahn schon in
der neuen Breite markiert werden.
Baggerarbeiten
Im Donaustrom finden zwischen Strom-
km 1917,0 und 1918,5 l.U. Baggerarbeiten
statt, die voraussichtlich bis Ende des
Jahres 1960 andauern werden.
Herbert SLANAR zeigt am 14. Jänner
1960 um 19.30 Uhr im Auditorium maxi-
mum der Wr. Universität seine neuesten
Farb-Ton-Filme:
Felsiges Wasser
Wildflußvagabunden
Andreas Hofer-Festzug 1959
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Karl Derndorfer, Paddler seit 1925,
Gewinner zahlreicher Regatten, pad¬
delte im Sommer dieses Jahres als
57-jähriger mit seiner Gattin im Kajak-
Zweier von Linz bis Obermarchtal bei
Rechtenstein in Württemberg. 511
Kilometer auf der Donau stromauf
und ebensoviele zurück. Hier sein Be¬
richt von der Fahrt.
Die Donau stromab bis Budapest und
stromauf bis über Regensburg, war mir
seit Jahren bekannt und vertraut. Nun
hatte ich aber schon lange den Wunsch,
unsere Donau auch in ihrem Oberlauf
zu sehen. Ich wollte diese Strecke nicht
im Faltboot zurücklegen, das kann ich
in späteren Jahren noch unternehmen,
sondern im Kajak, also stromauf und
stromab. Zusammen mit meiner Frau
konnte ich heuer diese Wanderfahrt
verwirklichen.
Am Mittwoch, den 3. Juni begann die
Fahrt. Mit Zuversicht und frohem Mut
bestiegen wir unseren schwer beladenen
Kajak. Wir mußten doch einiges Gepäck
mitnehmen, das 10 bis 15 Kilogramm
ausmachte. Ein Zelt, damit wir im Not¬
fall ein Dach über dem Kopf hätten,
zwei Schlafsäcke klein zusammenge¬
rollt wurden ins Boot vorne und hin¬
ten hineingestopft, ein kleiner Benzin¬
kocher mit Zubehör und etwas' Ge¬
schirr, Trainigsanzüge und noch einige
Kleinigkeiten, dazu das Essen jeweils
für einen Tag und der Kajak war voll.
Wir spürten den Ballast, denn so schnell
wie sonst mit einem leeren Boot ging
es nicht vorwärts. Um halb acht Uhr
abends erreichten wir Neuhaus. Am
nächsten Tag ging es weiter bis Engel¬
hartszell und am Freitag erreichten
wir um vier Uhr Passau.
Abenteuer mit wilden Schwänen
Am Samstag, dem vierten Tag der
Fahrt, paddelten wir von Passau wei¬
ter stromauf. Beim Stauwerk Kach¬
let gab es für die Übertragung einen
Rollwagen, den einzigen den wir je¬
mals antrafen. Das Boot samt Gepäck
wird aufgeladen und über die ganze
Anlage gerollt. Flott ging es auf dem
Stausee dahin. Wir waren zufrieden,
diesmal keinen Wind zu haben, denn
am Stausee von Jochenstein hatten
wir kräftigen Wind. Plötzlich kam vom
gegenüberliegenden Ufer ein Schwan
auf uns zugeflogen und griff uns an.
Ich wehrte ihn mit dem Paddel ab
und spritzte ihn kräftig an. Knapp
vor unserem Boot ging er wütend fau¬
chend zu Wasser. Zu Tode erschrocken
paddelten wir mit Leibeskräften vor¬
wärts. Der Schwan immer hinter uns
her, mit aufgestellten Flügeln, strek-
kenweise wieder fliegend. Dann kehrte
er doch wieder um. Erleichtert blickten
wir zurück, froh einer Gefahr entgan¬
gen zu sein.
Doch schon kam ein neuer Schwan auf
uns zu. Dieser war nicht ganz so wü¬
tend, doch auch er verfolgte uns eine
lange Strecke. Kaum hatten wir uns
etwas beruhigt, sahen wir ein Schwa-
nenpärchen mit fünf Jungen. Nun war
guter Rat teuer wie wir da vorbei soll¬
ten. Denn in unserem Kajak, in diesem
schmalen Boot, konnte jede unvorsich¬
tige Bewegung ein Umkippen zur
Folge haben. Der Schwan kam auch
sogleich auf uns zu, doch wir spritzten
ihn derart an, daß er uns passieren
ließ. Er stellte sich in Abwehrstellung
und ließ uns dann nicht mehr aus
seinem Bannkreis. In rasender Fahrt
zogen wir aus diesem Gefahrenbereich.
In Vilshofen dann sahen wir an die
hundert Schwäne, doch diese ließen uns
ungehindert weiterziehen. Wir hatten
nun herausgefunden, daß sich ein Pär¬
chen absetzt, sobald es Junge bekommt.
Getrennt vom Rudel fühlt es sich be¬
drängt und in Angst und Sorge um
ihre Jungen greift es Störenfriede sofort
an. Für uns hätte es schlecht ausgehen
können, denn so ein Schwan konnte uns
mit seinen kräftigen Flügeln und dem
Schnabel arg zurichten. Wir haben
später noch erfahren, welcher Gefahr
wir entronnen sind. Um sieben Uhr
abends erreichten wir Winzer, ein kleines
Dorf, bei dem wir das erste Mal unser
Zelt aufstellten.
Ruhetag mit Heuarbeit
Es war ein herrlicher Sonntagmorgen
als wir am 7. Juni losfuhren. Am Mit¬
tag erreichten wir Deggendorf. Ober¬
halb der Stadt machten wir Rast und
suchten im kühlen Naß Erfrischung.
Am Abend kamen wir in Maria Po-
sching an. Hier war ich schon im Vor¬
jahr auf einer Wanderfahrt nach Re¬
gensburg gewesen. Ich bat damals
einen Bauern, bei ihm im Heu schla¬
fen zu dürfen. Es wurde mir sogleich
ein Bett zur Verfügung gestellt. Auch
diesmal fanden wir herzliche Auf-,
nähme und wir lernten deutsche Gast¬
freundschaft kennen. Wir bekamen ein
Zimmer angewiesen und wurden einge¬
laden, beim Abendbrot mitzuessen. Am
nächsten Tag war uns ein Ruhetag
willkommen und so half ich, um uns
zu revanchieren, beim Heueinbringen
mit.
Am folgenden Tag zogen wir wieder
weiter. Das Wasser hatte hier die
gleiche Strömung wie bei uns. Nach
zwölf Kilometern kam ein Berg in
ÖSTERREICHS PADDELSPORT 11-12/1959
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