Generaloberst Erzherzog Joseph
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Geboren zu Alcsuth am 9. August 1872 als ältester Sohn des Oberkomman
danten der ungarischen Honved, GdK. Erzherzogs Joseph, und der Erzherzogin
Clotilde, ist der den Namen Joseph in der dritten Generation führende Erzherzog
mit seiner Ernennung zum Leutnant des IR. 1 im April 1890 in das k. u. k. Heer
eingetreten. Nach zweijähriger Dienstleistung beim IR. 72 ist er als Oberleutnant
im Jahre 1894 zum DR. 6 versetzt und in diesem zum Rittmeister ernannt wor
den. Bei der Beförderung zum Major im Mai 1902 wurde er in das Budapester
HHR. 1 eingeteilt, das er später als Oberstleutnant und Oberst bis zu seiner im
November 1908 erfolgten Ernennung zum Generalmajor und Kommandanten der
79. HIBrig. befehligte.
Bei Beginn des Weltkrieges stand Erzherzog Joseph als Feldmarschalleut-
nant an der Spitze der 31. ID., mit der er zunächst auf den südlichen, dann auf
den galizischen Kriegsschauplatz zog. Im November 1914 zum General der Ka
vallerie ernannt, übernahm er inmitten schwerer Kämpfe auf den Karpatenkäm
men die Führung des VII. (Temesvärer) Korps. Nach dem Eintritt Italiens in den
Krieg wurde das Korps, nach kurzer Verwendung an der Kärntner Front, in den
Bereich der Isonzo-Armee verlegt und griff an deren Südflügel alsbald entschei
dend in den Abwehrkampf ein. In Anerkennung hervorragender Führerleistungen
in der zweiten, dritten und vierten Isonzo-Schlacht, sowie für seine spätere Tätig
keit als Kommandant einer Heeresfront, ist Erzherzog Joseph, auf Grund der
Antragstellung des außerordentlichen Ordenskapitels, mit dem Kommandeur
kreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet worden.
Das Kriegsjahr 1916 sah den Erzherzog noch bis einschließlich der neunten
Isonzo-Schlacht (31. Oktober bis 4. November) an der italienischen Front, dann
übernahm er, bei gleichzeitiger Ernennung zum Generaloberst, den Befehl über
die Heeresfront im Osten gegenüber Rußland und Rumänien. In dieser Stellung
verblieb er bis zu seiner anfangs 1918 erfolgenden Berufung an die Spitze der
6. Armee in Venetien, und im Juli 1918 trat Erzherzog Joseph seinen letzten
Führerposten im Weltkriege an: das durch den Rücktritt des FM. Conrad ver
waiste Heeresgruppenkommando in Bozen.
Nach der Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie verblieb der
kurz vorher zum Feldmarschall ernannte Erzherzog während der Räteregierung in
der Nähe von Budapest, stellte sich an die Spitze der Gegenrevolution, nach
deren Sieg er die oberste Staatsgewalt übernahm, bis er von den Ententemäch
ten zum Abdanken gezwungen wurde. Er widmete sich nun der Ausarbeitung
seiner Kriegsaufzeichnungen und mit besonders regem Eifer der Fürsorge für
Kriegsinvalide und ihre Hinterbliebenen.
Unter den zahlreichen Kriegsauszeichnungen des Erzherzogs Joseph ist
neben dem Militär-Maria Theresien-Orden der preußische Orden Pour le merite
und das Eichenlaub zu diesem zu nennen, ferner eine völlig einzigartige: das
Großkreuz des St. Stephan-Ordens mit der Kriegsdekoration und den Schwer
tern 1 ). In Anerkennung persönlicher Tapferkeit während der Montello-Schlacht
im Juni 1918, in deren Verlauf der Erzherzog als Armeekommandant ein zer
schlagenes Regiment im feindlichen Trommelfeuer sammelte und wieder über
den Piave geführt hat, hat ihm das Kapitel des Militär-Maria Theresien-Ordens
im Jahre 1927 nachträglich die Goldene Tapferkeitsmedaille für Offiziere zu
erkannt.
1 ) Im Weltkrieg erhielten die FM. Böhm-Ermolli, Kövess und GO. Pflanzer-
Baltin das Großkreuz ohne Kriegsdekoration und Schwertern.