Sebalduskirche. NÜRNBERG. 87. Route. 361
(PL. 11). Im grossen Saal, dem ältern, bereits 1340 erb. Theil
des Gebäudes angehörend, Wandgemälde von Dürer, Triumphzug
des Kaisers Maximilian. „Zins manns red ist ein halbe red, man
söll die teyl verhören bed“, lautet ein alter Spruch an der Wand.
Gegenüber am mittelsten Pfeiler ist eine Hinrichtung mit dem
Fallbeil abgemalt, das also damals, 1521, schon bekannt war.
Die Decke des langen Gangs' im obern Stock besteht aus einem
Gyps-Relief und stellt ein hier 1434 gehaltenes Turnier dar, Fi-
guren lebensgross. Der Brunnen im Hof ist von Labenwolf,
1556 gegossen. Das *Wiss’sche Haus, ‚zwischen dem schö-
nen Brunnen und dem Rathhaus, ist durch die Einbauten
und «Erneuerungen von Heideloff (1853) Nürnbergs schönstes
neueres goth. Gebäude. ;
Gegenüber steigt der stattliche Bau der protest. *Sebaldus-
kirche (Pl. 2) auf, der Lorenzer Kirche zwar nachstehend, den-
noch aber eines der schönsten kirchl.: Gebäude Deutschlands.
Der w. Chor gehört den ersten Zeiten des Rundbogenstils (10.
Jahrh.) an; Thürme, Schiffe und ö. Chor wurden 1377 im rein-
sten Spitzbogenstil vollendet. Der Messner wohnt im Decanats-
gebäude; gewöhnlich ist seine Tochter in der Kirche, man klopft
an einer der Seitenthüren (12 kr. Trinkg.).
Aussenseite. Das n. Portal, die Brautthür genannt, die halb erha-
benen Steinbilder an den Pfeilern des Ostchors, die Leidensgeschichte Jesu
darstellend, ferner eine prächtige figurenreiche lebensgrosse Grablegung, das-
‚„„Schreyer’sche .Grabmal‘*, 1492. in Stein von Adam Krafft, die reichste und
bedeutsamste seiner Arbeiten, dem Rathhaus gegenüber, sind an der Aussen-
seite besonders zu beachten. Im Innern: andere Steingebilde von Krafft,
Kreuztragung, Christus am Oelberg und Abendmahl im 5. Chor; über dem-
selben das Markgrafenfenster, Markgraf Friedrich von Ansbach u. Baireuth
mit seiner Gemahlin und 8 Kindern darstellend,. 1515 von Veit Hirschvogel
auf Glas gemalt; dann einige gute Altarbilder, besonders das an der n. Wand
des Schiffs befindliche v. Tucher’sche mit Flügeln, 1513 von Hans Kulmbach
angeblich nach Dürer’schen Zeichnungen gemalt, wohl das beste dieses Mei-
sters; Crucifix und hölzerne Figuren der h. Jungfrau und_des h. Johannes
über dem Hochaltar, von Veit Stoss. Das ausgezeichnetste Kunstwerk ist
jedoch das *Sebaldus-Grabmal, ‚,das höchste Heiligthum deutscher
Kunst‘ (Kugler), das Meisterwerk des berühmten Erzbildners Peter Vischer,
der es mit 5 Söhnen nach 13jähr. Arbeit 1519 vollendete. Die 12 Apostel
in den Blenden, welche den Sarg mit den Reliquien des Heiligen umgeben,
gehören zu den vorzüglichsten Leistungen, die der Erzguss je hervorge-
bracht. Zwölf kleinere Figuren von Kirchenvätern und Propheten, unge-
fähr 70 phantast. Darstellungen von Genien, Seejungfern, Thieren u. dgl.
unter Blumen und, Laubwerk vertheilt, sind höchst beachtenswerth. Die
Wunder des Heiligen sind Gegenstand der Reliefs unter dem Sarg. In einer
Blende unten gegen den Altar zu, der Künstler selbst mit Schurz u. Meissel,
vortreffliche Statuette. Neben der Kanzel eine Grablegung, angeblich von
Dürer, mit dem Holzschuher’schen. (S. 362) Wappen. Im w. Chor ein merk-
würdiger Taufstein aus Kupfer, mit Figuren ohne Kunstwerth, in welchem
1361 Kaiser Wenzel getauft ist.
Der‘ Pfarrhof von St. Sebald an der Westseite hat.schöne
gothische Erker („Chörlein‘“) von 1318. Melch. Pfinzing, Probst
von: St. Sebald und Bearbeiter ‚und. Herausgeber: des von. Kaiser