Volltext: Oö. landwirtschaftlicher Kalender 1895 (1895)

liefern den Kien; die Nadeln mit Lauge verarbeitet werden zur Waldwolle; 
die Brühe wird für Kranke zu Bädern benützt. In Rauchfängen gewinnt man 
daraus den Kienruß, ans dem durch Destillation der für die Medicin hoch 
wichtige Kreosot erzeugt wird. Aus den Einschnitten in die Rinde kommt 
der Terpentin, den Rückstand davon bildet das Colofonium; durch trockene 
Erhitzung wird der in der Medicin und Technik ebenso wichtige Theer be 
reitet, durch gelindes Erhitzen das Faßpech und durch theilweises Ver 
brennen desselben das Schwarz- oder Schusterpech gewonnen. Die Rinde 
enthält Gerbsäure, die Sprossen werden in England zu Sprossenbier ver 
wendet 
Die Meerstrandskiefer und die amerikanische sind Abarten davon. 
5. Die Bergkiefer, Legföhre, Latsche. Dieselbe ist ein Baum zweiter 
Größe, noch häufiger ein Strauch und unterscheidet sich von der gemeinen 
Kiefer durch die kleine Gestaltung, durch die aufwärts gekrümmten Aeste, 
die dichtere, dunkelgrüne, oft sichelförmig gekrümmte Benadelung und die 
schief abwärtsstehenden, quirlständigen Zapfen. Die Bewurzelung ist sehr 
seicht, wie es bei dem geringen Humusboden der Alpen nicht anders möglich 
sein könnte. Hierzulande ist die Bergkiefer, wie oben bemerkt, ein Strauch, 
bei dem vom Boden aus die Aeste sich knieförmig ausbreiten, daher der 
Name Krummholz, Knieholz, und diese Form findet man vorzugsweise auf 
nassem, moorigem Boden. Die Baumform, welche man auf höheren Ge 
birgen in den Schweizer und deutschen Alpen vorfindet, erreicht auch eine 
Höhe bis 25 Meter und 1'5 Meter Stammdurchmesser. Der Verbreitungs 
bezirk dieser Föhre ist von Spanien bis zur Bukowina, von Italien bis zum 
Thüringerwalde. Sie steigt bis 2000 Meter hinan. 
Die Verwendung ist eine der vorgehenden ähnliche; das aus den 
Nadeln gewonnene ätherische Oel ist medicinisch noch viel geschützter als das 
gewöhnliche Terpentinöl. Die Formen sind zahlreich und lassen sich folgend 
eintheilen: 
1. die Hackenkiefer, Zapfen ungleichseitig, schiefsitzend; 
2. die Zwergkiefer, Zapfen gleichmäßig ausgebildet, eiförmig, kugelig; 
3. die Muphokiefer, Zapfen gleichmäßig sitzend, kegelförmig. 
6. Die Zirbelkiefer. Diese hat als Hauptmerkmal je fünf dreikantige 
Nadeln in Scheiden, ferner einen geraden Stamm, eine hochgewölbte, un 
regelmäßige Krone, eine weitausgreifende Bewurzelung. Die Aeste berühren 
bei jüngeren Bäumen beinahe den Boden, das Holz ist harzlos, braunroth, 
die Zapfen sind kurzgestielt, aufrecht abstehend und eiförmig. Die ungeflü 
gelten Samen enthalten einen nußartig schmeckenden Kern, die sogenannte 
Zirbelnuß. Diese Kiefer ist ein Baum dritter Größe, erreicht selten über 
22 Meter Höhe und 17 Meter Durchmesser. Sie wird bis zu 700 Jahre 
alt und hat dann eine dünnbenadelte Krone und weit herabhängende Bart 
flechten. In der Vorzeit kann die Zirbelkiefer große Wälder gebildet haben, 
jetzt aber ist sie selten geworden; es wird eben für die Nachcultur zu wenig 
gesorgt trotz ihres erheblichen Nutzens. 
Sie kommt in den Alpen nicht unter '1500 Meter vor, die obere 
Grenze beträgt 2500 Meter. Heutzutage ist sie noch in den Karpathen zu 
finden, und bei uns kommt sie nur vereinzelt vor. Sie hält sich gern in
	        
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