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Friedrich Dessauer
viel die Rede war, und zwar mit Recht, denn sie ist von größter Bedeutung. Diese
Erzeugungsweise der Kathodenstrahlen wurde oft genannt im Zusammenhang mit
den Namen Coolidge, Fürstenau, Lilienfeld. Die Figur 2 zeigt eine solche
Röhre. Die Kathode wird gebildet durch einen feinen Metallfaden, der durch
einen besonderen elektrischen Strom, ähnlich wie ein Glühlampenfaden, zur Glut
erhitzt wird. Wir erfuhren soeben, daß zu den Vorgängen der Elektronenerregung
auch das Glühen der Metalle gehört. Aus dem glühenden Metallfaden treten die
Elektronen aus, und diese werden unter dem Einfluß der angelegten Hochspannung
zur Antikathode der Röhre geschleudert.
Es ist ein großer Unterschied in dem Verhalten der beiden Röhrenarten.
Im ersten Fall hängt die Bildung der Röntgenstrahlen ab von dem Gasrest in der
Röhre, in welchem ja zuerst Ionen gebildet und bewegt werden müssen. Ein solcher
Gasrest hat sich als etwas Unkonstantes herausgestellt, er nimmt nämlich mit der
Zeit ab, und aus diesem und anderen Gründen ist die Erzeugung von Kathodenstrah
len und damit Röntgenstrahlen in den gewöhnlichen Röntgenröhren durch manche
Bedingung begrenzt und eingeengt. Die Röhren vom zweiten Typus dagegen können,
soweit das technisch möglich ist, ganz gasleer sein, denn die Quelle ihrer Kathoden
strahlen ist ein glühender Faden. Glüht ein hinreichend dimensionierter Faden
nur stark genug, dann stehen uns, solange er glüht, also während seiner ganzen
Lebensdauer, fast unbegrenzte Mengen von Elektronen zur Verfügung, und e* sind
keine weiteren Bedingungen zu erfüllen. Deswegen hat der neue Typus von
Röntgenröhren sich in letzter Zeit auch im Kriege bewährt, und zwar das Modell
von Lilienfeld insbesondere zur Untersuchung, die Konstruktion von Fürsten au
und Coolidge insbesondere für therapeutische Behandlung.
III.
Die Erzeugung der hohen Spannung.
Aus den geschilderten Vorgängen der Röntgenröhre ergibt sich die Notwendig
keit, hochgespannte elektrische Ströme hervorzubringen, die dazu dienen, die
Kathodenstrahlen zur schnellen Bewegung zur Antikathode hin anzutreiben.
Diese hochgespannten Entladungen liefern die eigentlichen Röntgenmaschinen oder
Röntgenapparate, deren Aufgabe es ist, aus einem vorhandenen gewöhnlichen Strom,
wie ihn ein Elektrizitätswerk liefert, Hochspannungsströme zu machen. Das Maß der
elektrischen Spannung ist die Einheit Volt. In den Grenzen 100 bis 400 Volt bewegen