Nr.S — 11 Iahrg.
Beilage f. „Schar-irrger Mochravlatt"
Kept. ISIS
6? Sammler.
Mitteilungen des Vereines zur Erhaltung des Stadtmuseums und zur Erhaltung des bau
lichen Charakters der Ltadt Schärding.
Inhalt: Verbot des Photographierens am Bahnhof zu Schärding.
Schuß. Von Carl Gruber.
Ein verhängnisvoller
Uerbot des Photographieret^ am Bahnhof
zu Schärding.
Der Abmarsch der einzelnen Marschbatail
lone des 3. Tiroler Landesschützenregiments aus
Schärding gestaltet sich immer zu einer Ab
schiedsfeier am Bahnhof, die viel Stimmung in
sich birgt. Die zahlreiche Beteiligung der Stadt
bewohner besagt, daß ihre Herzen für die
tapferen Landesschützen schlagen, sowie die mit
Blumen vollgeschmückt ins Feld ziehenden Sol
daten empfinden, daß die, welche ihnen Lebe
wohl sagen, nichts wahrhafter wünschen, als
daß sie Alle von den Gefahren und -von deren
Ärgstem verschone bleiben möchten. -
Der ganze lange Zug ist reich mit Bildern
und Kränzen geziert, die treffliche Marschmusik
bringt erhöhtes Leben in die Menschenmenge, hell
erglänzen die Augen der mutigen Streiter, und
wird zum Sammeln und Einsteigen komman-
; diert, so drängt sich den Zurückbleibenden eine
! Rührung auf, die dafür spricht, daß da am
Bahnhofplatze nichts gekünsteltes oder offiziell
! zur Schap getragenes aufkommen kann.
Der' fürsorgliche Oberst schüttelt den Offi
zieren, Fähnrichen und Kadetten die Hand, für
jeden freundliche, ermunternde Worte habend,
und unter den Klängen „Gott erhalte", unter
nicht endenwollenden Zurufen, Hüte - und
Tücherschwenken, braust der Zug davon, die
Soldaten neuem Ruhm entgegentragend.
Allmonatlich wiederholt sich dies und
monatlich sehen wir. aus diesem Anlasse ein Er
eignis, das uns tiefgeht, das den Teilnehmen
den unvergessen sein wird.
Wie begreiflich daher der Wunsch, daß
solche Ern nerungen auch bildlich festgehalten wer
den solle!' Wie würde sich an solchen Vorkomm-
Oer verhängnisvolle Schuss.
Guckkastenbilder vom Stadtbrande 1724.
Von Carl Gruber.
Die Lebenserweckerin und Daseinserhal
terin, unsere liebe, brave Sonne, welche, nach
den ernsthaften Versicherungen sehr ehrenwerter
Herren, schon etliche Millionen Jahre das Ge
schäft unserer Planetenbescheinung und Erwär
mung mit wechselndem Erfolge betreibt, schien
auch am 18. Juni Eintausendsiebenhundertvier
undzwanzig.*
Seit drei Wochen glühte und leuchtete der
Feuerball vom blauen Firmament auf die chur
fürstlich bayerische Stadt Scheerding, dörrte die
schwammigen Dachschindeln des Häusergewirres
und sog die letzte Feuchte aus dem rissig gewor-
* Lamprecht gibt in seiner Chronik den 18. Juni
1724 als Fronleichnamstag a». Nun hat mir aber ein
hochgeschätzter Freund — dessen astronomische Kenntnisse
ich nicht anzuzweifeln wage versichert, daß der Fron
leichnamstag im Jahre J 724 auf den — 15. Juni fiel.
Es mutz somit ein Schreibfehler vorliegen oder die feier
liche Prozession ist am Sonntag den 18. Juni gewesen.
; denen Erdreich. Die Brunnen hatten einen
j seichten Wasserspiegel und manch lausendes
| 2Bäffertein, so da und dort aus einem bleiernen
! Röhrlein sprudelte, tröpfelte nur noch und war
dem Versiegen nahe.
Kurzsichtig wie die Menschheit damaliger
Zeiten schon war — anjetzo soll es darum nicht
besser bestellt sein — hätte sie arg geflucht,
! wenn die liebe Sonne am Tage der feierlichen
Prozession nicht geschienen hätte und wenn, statt
des lachenden Blauhimmels, ein weinerlicher
wolkenschwerer Himmel über der Stadt ge
hangen wäre. Und doch wäre es ein großes
Glück gewesen, wenn am 18. Juni 1724 der
liebe Herrgott das Wasser mit Scheffeln vom
Himmel geschüttet hätte. Der Baltasar Zwings
eisen, der Emanuel Friedemann Schrögl und
der Leonhard Isaak Schlipfenbacher wären nicht
unter den einstürzenden Mauern brennender
Häuser frühzeitig aus diesem Leben abberufen
worden und, - — —.
Doch der rückwärts schauende Erzähler
darf nicht vorlaut werden und Dinge ausplau-