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Schlosses Ueuburg
gewahr, welches nun unser ganzes Jnterresse auf sich ziehet.
Denn unter den vielen Burgen und Ruinen, welche längs des Ins zu beiden
Seiten aufragen, gehört dieses selbst in seinem Verfalle noch immer großartige Neuburg zu
den merkwürdigsten, hinsichtlich des Alterthums der hier seßhaft gewesenen Dynastien, des
Reichthums und der Bedeutsamkeit der hiezu gehörige» Besitzungen, der vielfältigen
Kriegsfehden und Verhandlungen, welche um desseu Besitz geführt worden sind,
der hier stattgehabten historisch merkwürdigen und poesiereichen Ereignisse, wie auch
des romantischen Reizes seiner Lage und Umgebung.
Vorne im I. Theile S. 21—24 wurde gesagt, daß die Grafen von Formbach
die Grafschaft Windberg jenseits der Donau, den Comitat Formbach und Schärding,
den Antiesengan, die Grafschaft Lambach - Wels und im Lande unter der Ens
die Grafschaft Ratelnbnrg besaßen und um das Jahr 950 zum größeren Schutz
gegen die Ein- und lleberfälle der Ungarn, auf steiler Waldeshöhe über den In
sich dieses Nenburg erbauten, außerdem aber, um ihre weitläufigen Besitzungen zu
sichern, die Burgen, Windberg, Vichtenstein, Griesbach, Schärding, Ried, Lambach,
Wels u. dgl. erbauen ließen.
llm den Strompaß zur Einheischung des Durchfahrt- und Ueberfahrtzolles
. zur Handhabung des Strandrechtes und der Grundruhr bequemer zu beherrschen,
zugleich, um Neuburg mehr unbezwingbar zu machen, errichteten sie, Neuburg
gegenüber, auf einem senkrecht aus dem Strome emporsteigenden, die Wasserpassage
auf- und abwärts beherrschenden Felsen, die Feste: Wer, Wehr, Wehrstein,
Wehren st ein.
Zu ähnlichem Zwecke entstanden in der Neuhanserleiten oberhalb Wernstein
die Fe st e Wi m b e r g und unterhalb Neuburg am linken Stromufer die Feste
N e u f e l s, beide gleichsam als ausgestellte Vorposten. Sonach beherrschten die
Grafen von Formbach die Gegend und die Stromfahrt von Vilshofeu bis gegen
Linz, von Reichersberg bis Passau.
K. H. von Lang, I. Moritz, selbst W. Hnndius führen verschiedene
Namen der Gaugrafe» aus dem Geschlechte der Formbacher auf.
Die Geschichte der Formbacher tritt jedoch erst mit Tiemo I. in ein helleres
Licht; dieser Tiemo waltete mit fürstlichem Ansehen auf der Nenburg; er erreichte ein
Alter von 80 Jahren und theilte seine weitläufigen Besitzungen unter seine 6 Söhne.
M c g i n h a r d der ältere, welcher die Grafschaft Windberg erhalten hatte,
wurde im Jahre 1066 gewaltsamer Weise ermordet. Den Heinrich — Heßo —
Grafen von Formbach und Schärding, kennen wir bereits als den Vater der
beiden Klosterstifterinen Tuta und Himiltrudis.
Fridrich, der jüngere Sohn, begab sich an den Hof des römischen
Kaisers Heinrich 111. und war durch sein einnehmendes Wesen, durch den Ruf
seiner ritterlichen Thaten die Zierde der Ritter und erwarb sich die Liebe der