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in St. Ulrich enthalten die schon öfter genannten Aufzeich¬
nungen des Pfarrers Bartholomäus Reintaler von 1665 Folgendes:
„Abendpredigt am Ostertag nicht aus Gerechtigkeit, sondern aus
Gutwilligkeit 30 kr.
3. Sonntag nach Ostern die Kirchweih.
ln festo 5. Udalrici.
Nächsten Sonntag nach Allerheiligen.
Für jeden Gottesdienst 1 dl. aus dem Stock.“
Die einstige Filialkirche zur Himmelfahrt der selig¬
sten Jungfrau Maria in Kirchdorf.
Um 1170 erscheint bereits Lenze de Kirdorf als Zeuge für
Ranshofen1), um 1180 Ulricns de chirchdorf als Zeuge für
Reichersberg1 2), um 1190 Rüdiger de Kirichtorf als Zeuge für
Ranshofen3) und um 1200 Ulricns chirctorf als Zeuge für Rei-
chersberg4). Aus diesen urkundlichen Notizen geht hervor, dass
der Ort Kirchdorf im 12. Jahrhunderte, wenn nicht schon
früher, und zugleich auch, die Kirche, denn das sagt schon der
Name, bestanden haben müsse. Die dermalige einschiffige Kirche
im gothischen Stile wurde nach der Inschrift am Mauergesimse
über dem Mittelfenster des Altarhauses 1489 wahrscheinlich
unter Zuthun der Mautner zu Kazenberg, welche die Yogtei
über das Gotteshaus Kirchdorf innehatten, erbaut. An der
Aussenseite zeigt sowol der massive Turm, dessen Mauer¬
werk 84', die Kuppel dagegen 54' misst, als die Kirche noch
vollständig gothische Bauformen, im Innern aber sind leider
die Gewölbrippen und Schlusssteine herabgeschlagen worden.
Am marmornen Speisegitter vor dem Hochaltäre, der aus Holz
und ohne Wert ist, befindet sich die Gruft der Herrschaft
Kazenberg. Der rechte Seitenaltar ist ein privilegirter Altar der
Rosenkranz-Bruderschaft mit einem guten Gemälde des heiligen
Dominicus und der heiligen Katharina von Siena, der linke
stellt die Anbetung der Weisen dar. Von den vier Glocken,
1) Uik. B. I., 327.
2) Urk. B. I., 385.
3) Urk. B. I., 396.
4) Urk.-B. I., 244.