einmal stolzeres Volk seine erste Anschauung und späteste Weis¬
heit aus dem Gefäß einer fremden Sprache, und sei sie die herr¬
lichste, schöpfen solle".
Wann sollten wir den Stolz, die deutsche Bildung aus den
Mitteln des deutschen Volkstums bestreiten zu können, gewinnen,
wenn nicht unter den gewaltigen Ereignissen der Gegenwart?
Die deutsche höhere Schule wird zugleich allen Idealen der
deutschen Jugend entgegenkommen. Es ging durch ihre Reihen
vor dem Kriege eine seltsame Bewegung. „Freideutsch" wollte
sie sein, aber sie suchte noch nach einem greifbaren Inhalt für
dieses schöne Wort. Eine neue Iugendkultur wollte sie begründen,
aber dem Begriff fehlte noch der Lebensgehalt. Im Wander¬
vogel- und Pfadfindertum regten sich die urdeutschen Instinkte
der primitiven Kraft, der Sonnensehnsucht, der Naturfrömmigkeit.
Jetzt ist der Arm dieser Jugend erstarkt, sie steht draußen vor
dem Feind, und die noch zu jung waren, um mit hinauszuziehen,
warten voll brennender Begier auf den Tag, da es auch ihnen
vergönnt sein wird, dem Vaterlande Blut und Leben zu weihen.
Jetzt haben die Worte „deutsch" und „frei" für sie einen ganz
anderen Gehalt, jetzt sind Leimat und Vaterland für sie Güter
von ganz anderem Wert. Viele von ihnen werden auf die Schul¬
bank zurückkehren, andere ihre Studien fortsetzen. Aber alle
kehren zurück als andere Menschen. Sie sehen Welt und Leben,
sie sehen die ganze heimatliche und vaterländische Kultur mit
anderen Augen an als vorher. „Das neue Deutschland, von
dem bei euch daheim so viel die Rede ist, sind wir," schrieb
neulich ein junger Student von der Front, und in der derben
Sprache des Schützengrabens setzte er hinzu: „Wir werden das
Gesindel abschütteln, das sich an uns heranmachen will." Meinte
er damit das schwindsüchtige Ästhetentum, das sich in den letzten
Jahren als Führer an die Jugend herandrängen wollte?
Was unsere Jugend im Kampfe für das Vaterland leistet
und leidet, gibt ihr ein Recht, eine so stolze Sprache zu führen.
Sie wird den Anspruch erheben, daß die Güter, für die sie das
Leben eingesetzt hat, von der Schule ganz anders bewertet werden
als bisher.
And auch in den Lehrern des neuen Deutschlands wird ein
neuer Geist walten. Schätzungsweise stehen mehr als fünszigtausend
deutsche Volksschullehrer unter den Waffen, Tausende von Iüng-
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