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Franz Brosch,
Öhnen, d. i. des bisher ungenützten, minderen 159 ) Landes. In man
cher dieser Öden wurden kleine Wiesen 160 ) oder gar ein „Landl“ 161 )
gewonnen, während der allzu steinige Boden als waldige Vieh
weide 162 ) Verwendung fand, oder, wenn er von kleinem Umfang
war, als Ablagerungsstelle für die vom Pflug immer wieder geför
derten Feldsteine diente 163 ).
Noch muß der Mehrung des inneren Wertes der
Grün d e durch ihre Verbesserung gedacht werden. Ganz im all
gemeinen mag sich die Entwicklung nach folgender Stufenleiter
vollzogen haben: Wald — Weide — Acker mit Brache — Garten
äcker. Letztere sind für das 17. Jahrhundert belegt 164 * )- Auch der
Flurname im Lagebuch „Auegärten“ spricht von ihnen. Sie waren
so weit verbessert, daß sie alljährlich Frucht brachten (S. 228). Im
Gegensätze zu ihnen mußte ein Drittel der Felder jedes dritte Jahr
rasten. Dies war die „Dreifelderwirtschaft“ mit Sommer- und
Wintergetreide 166 ) und Brache 166 ). Das Brachfeld wurde wegen
des Abweidens eingezäunt. Es lag dann das „Veldt ann der
Tradt“ 167 ), welcher Ausdruck vom Treten des Weideviehes
kommt 168 ).
Zusammenfassend kann über die weitere Entwicklung der
bäuerlichen Siedlungen, die Nachrodungen, gesagt werden: Sofort
anschließend an die herrschaftlich-genossenschaftlichen Gründungs
schläge, die den Bauern mit einem Mindestausmaße von Land ver
sehen hatten, setzte die Verlängerung der Gründungslüsse durch
Infangfräsung ein. In der Folgezeit kam es zur Anlage waldfreier
Gmainen durch die Gesamtheit der Dorfbesitzer, die dann sofort
oder später zu Zulüssen zerlegt und fest zugeteilt wurden. Neben
her lief die Anlage einiger neuer Güter, die teils als Lusgüter fer
tigen Dörfer angeschichtet wurden, teils als junge Blockgüter auf
159 ) Abhprot. Wax. 1817, fol. 113.
16 °) Jos. Lb. Amesschlag S. 68.
161 ) Jos. Lb. Dietrichschlag S. 622: „Landl auf den Öhnen.“
162 ) Jos. Lb. Weiglschlag S. 55, 86. Dgl. Laimbach S. 247, 248, 361, 428.
16S ) Abhprot. Wax. 1810, fol. 492. Jos. Lb. Weiglschlag S. 36; „Öhnen im
Waldfeld.“
164 ) Prot. 1628, fol. 22: „vndter garten, so mit gersten anpaut.“
Prot. 1639, fol. 195: „Auf diß jar im vndtern garten halbe äckher.“
Prot. 1641, fol. 231: „die angepaute gersten in gärten vnd haberfeld.“
Prot. 1642, fol. 13’: „Im garten beym gottsackher, ain ländl zu khraut
und rueben.“
165) p ro t. 1532, fol. IIP: „winter vnd lonstraid.“
16e ) Wimmer, Boden S. 59.
167 ) Prot. 1642, fol. 23’.
168 ) Bancalari G„ Forschungen und Studien über das Haus, Mitteilungen der
Anthropologischen Gesellschaft, Wien 29 (1899) S. 138.