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Tränen, bittere Tränen brechen aus den Augen der Mütter, die Zusehen müssen,
wie die Kinderschar den seltenen Spaß bejubelt, dies und jenes im Aschern
schutt zu erkennen, womit sie früher so oft gespielt. Und dennoch, süßseliges
Glück lebt in den verhärmten Augen der Flüchtlinge auf, da sie nur die Scholle
wieder haben können, die heilige, teure Scholle der Heimat. Nur nicht ver^
zagen! Das tapfere Bauernweib im Bilde, das mit einem armseligen Bündel
und mit einer Kinderschar am Fuße des Straßendammes lagert und doch sonst
vor dem leeren Nichts steht, zeigt das Lächeln seligen Kummers. Was trieb
es auch hieher? Ließ es nicht warten, bis es einer der hinrollenden W^agen
aufnähme? Drängte es den allzu langsamen Pferden entgegen? Heimweh! Das
Glück, wieder zu jenem Stück Erde zu kommen, in dem ihr ganzes Leben
wurzelt. Die Brandtrümmer dort? Irgendwie, mit Gottes Hilfe, mit eigener Kraft,
mit blutig gearbeiteten Händen will sie die Hütte wieder aufbauen,
wird es auch. Und wie sie ist, sind Tausende. Da hat der
Krieg Urregungen der menschlichen Seele aufgerührt.
MAULWURFSKRIEG.
In einem Vororte Wiens lebt ein betagter Leutnantsinvalide. Er verlor
1866 ein Bein, war damals 19 Jahre alt. Und wie, was er dachte zur Zeit seiner
Verwundung, so denkt er auch heute. Sein Gedankenleben hat zwei Pole, um die
es sich fast ausschließlich dreht: Der Krieg von damals — der Krieg von heute.
Das sind die beiden großen Erlebnisse, von denen dieser echte Soldat erfüllt
ist. Die Zwischenzeit scheint an ihm spurlos vorübergegangen zu sein, alterte nur
seinen Körper. Er besucht die verwundeten Leutnante in den Spitälern, spricht
mit ihnen, lacht mit ihnen, fühlt sich als ihr Kamerad. Nur eines will ihm
beim Austausch der Kriegserlebnisse nicht taugen, scheint ihm zuweilen die
Größe der Zeit zu vergällen. Dann stößt er das Bekenntnis der Zeitverachtung
heraus: „Das ist ja kein Soldatenkrieg — das ist Maulwurfsleben!“ Und geht.
Was würden erst Altmeister der Kriegskunst zu sagen haben, könnten sie
die moderne Feldbefestigung sehen?
Darin haben die Russen viel Geschick bekundet. Auch ihre Schanzen vor
Sztropkö, vielleicht die bestausgebauten ihrer Karpathenfront, waren ein Hindernis,
dessen Bewältigung zu den Großtaten des VII. Korps zählt. In diesem Raume
hatte ja der russische Generalstab unseren Hauptstoß, den Durchbruch der
Front wochenlang erwartet. Naheliegend, daß dort alles zur Verstärkung des
Widerstandes geschah; Massenkonzentrierungen von Truppen — in und um
Sztropkö lagen fünf Infanterieregimenter, während außerdem noch zwei Infanterie^
divisionen und eine sibirische Division dem VII. Korps gegenüberstanden —,
ferner technische Verstärkung der Frontstellungen waren die Mittel. Zunächst
die Artilleriestände. Bild 35 zeigt einen solchen. Seitwärts der Straße zwischen
Sitnyik und Sztropkö liegt er, zu Schanden geschossen, ein Denkmal der
Russennot. Links in Sockenhöhe die Batteriedeckung, rechts schrapnellsichere
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