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Militärischer Überblick über den zweiten Balkankrieg.
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Außer der am 15. Juli bei Corabia ge
schlagenen Kriegsbrücke befand sich seit 16. CJuIt
eine Schiffsbrücke bei Turnu Magurele im
Bau, welche erst gegen Ende 0ult fertiggestellt
wurde.
Der Vormarsch des türkischen Gros von der
Tschataldschalinie mit 15 und von Bulair mit
4 Divisionen begann am 12. (Juli abends. Die
Teten dürften am 17. die Linie Enos—Midia,
am 19. die Linie Lüle Burgas—Viza und am
25. Adrianopel—Kirkkiliffe erreicht haben.
Während der Vorrückung kam es zwischen den
zurückweichenden Bulgaren nur bei Lüle Bur-
gas, Kuleli, Adrianopel, Kirkkiliffe zu unbe
deutenden Scharmützeln.
Die in Thrazien stehenden 2 türkischen
Armeen hatten angeblich folgende Gliederung:
Ostarmee: Ahmed Abuk Pascha: 2., 3. und
4. Korps zu je 3 Divisionen; Gefechtsstand:
rund 80.000 Gewehre. Das beim 4. Korps
eingeteilte Detachement Oberst Lossow wurde
zu einer Division ausgebaut.
Westarmee: Churschid Pascha: Bulair- und
Gallipolikorps (die von Bulair und der Halb
insel Gallipoli vorgerückten 4 Divisionen), 1. und
10. Korps zu je 3 Divisionen; Gefechtsstand:
rund 90.000 Gewehre.
Bei Tschataldscha wurden 3 Divisionen und
bei Bulair mindestens auch 3 Divisionen zurück
gelassen.
ihn Makriköj war ein neues (5.) Korps in
Bildung begriffen; das Korps soll aus einer
zurückgelassenen Division des 10. Korps und
aus 2 Divisionen, welche aus den von Albanien
und Jemen herangezogenen Truppen formiert
wurden, gebildet worden sein. Auf der Halb
insel Gallipoli (das 7. Korps), bei Smyrna
und in Syrien sind ebenfalls höhere Forma
tionen in Bildung.
Am nördlichen Flügel hatte die in Bulgarien
eingebrochene serbische Krastgruppe dritten Auf
gebotes Belogradschik nach zweitägigen Kämpfen
genommen und begann mit der Einschließung
Widdins.
Zwischen dem Gros der serbischen 2. Armee
und der bulgarischen 3. Armee kam es im
Grenzraume östlich und südlich von pirot zu
mehrfachen, jedoch kleineren Zusammenstößen.
Im Gefechtsraume Egri palanka, östlich von
Kotschana, kam es zu wiederholten bulgarischen
Angriffen mit Teilkräften, die sich speziell gegen
die stark verschanzten serbischen Stellungen am
Crny-Kamen nordöstlich von Kotschana und
gegen die serbischen Positionen nächst Egri
palanka richteten. Die Angriffe wurden größten
teils zurückgeschlagen.
Gegen Ende Juli befanden sich Teile der
serbischen Timokdivision über Zajecar gegen
Widdin zu in Verschiebung, um die serbischen
Einschließungstruppen des 3. Aufgebotes zu
verstärken und den Fall Widdins zu beschleu
nigen.
Schließlich sollen ebenfalls in den letzten
Julitagen Teile der serbischen 3. Armee, an
geblich eine Drinadivision und die Timokdivi
sion ll, in dem Raume Köprülü—Istip zwecks
Retablierung zurückverlegt worden sein. Aus
diesem Grunde dürfte wohl auch die Unterstützung
der gerade zu dieser Zeit angesetzten Offensive
des griechischen Wesiflügels über pechtschewo
in nördlicher Richtung unterblieben sein.
Die griechische Armee erreichte am 23. Juli
mit dem Ostflügel Dobrinischta, das Zentrum
hatte bereits den Vordausgang des Kresna-
desilees in Besitz genommen, die westliche Ko
lonne verfolgte die im Raume nördlich von
pechtschewo über pantscharewo und gegen die
Höhe Vidren zurückgehenden bulgarischen Streit
kräfte.
Am 24. Juli kam es zwischen dem griechi
schen Westflügel und Teilen der 4. bulgarischen
Armee nördlich von pechtschewo zu Kämpfen,
in welchen sich die Bulgaren den Erfolg zu
schrieben. Bei der 2. bulgarischen Armee sollen
schon zu dieser Zeit Verstärkungen im Eintreffen
gewesen sein. (Verschiebung von Teilen der
1. bulgarischen Armee Kutintschew von Sofia
über Philippopel gegen den Ostflügel der Grie
chen.)
Am 25. Juli besetzte ein griechisches Marine
detachement Dedeagatsch.
Am 25. und 26. Juli wurden Teile aus
der 2. bulgarischen Armee Iwanow, die in der
Linie Rufen—Simitli—porogosch—Mäh er
neuert Stellung gefaßt hatten, von der griechi
schen Mittelgruppe (5 Divisionen) frontal an
gegriffen und die durch die über predelhan-
höhe Arisvanitza durchgeführte Umgehung der
7. griechischen Division zum Rückzüge ge
zwungen.
Der westliche bulgarische Flügel, der auf
Rufen diesen Rückzug deckte, wurde am 26. Juli
durch die griechische Westgruppe (2 Divisionen)
auf Vidren zurückgedrängt. Die Kämpfe waren
beiderseits sehr verlustreich.
Rach bulgarischen Ouellen spielten sich nun
die Schlußkämpfe in den letzten Tagen des
Monats Juli wie folgt ab:
Der östliche Flügel der 2. bulgarischen Ar
mee drängte am 29. Juli die bis Jakurida
vorgedrungenen Teile der 7. griechischen Divi
sion zurück und besetzte Mehomja. Eine
weitere von Tatar—pazartschik herangerückte
bulgarische Kolonne hatte Rewrokop erreicht.
Der Ausgang des Gefechtes bei Dschumaja
zwischen der griechischen Mittelgruppe (5 Di
visionen) und dem Gros der 2. bulgarischen
Armee soll am 29. Juli noch nicht entschieden