Volltext: Österreich und England [2]

Belgien getan hat. Man darf seinen Egoismus nicht hinter 
schönen Phrasen verstecken, was eben den Charakter der Heu¬ 
chelei ausmacht. Das erste Gefühl anständiger englischer 
Politiker war ja nach dem Sarajewoer Morde von Serbien 
abzurücken; als es dann ihre Politik erforderte, sich mit diesem 
Staat doch zu verbinden, durste nicht eine niederträchtige 
Verleumdung Österreichs dieser Politik das Mäntelchen um¬ 
hängen. Was wir aus dem Kriege lernen müssen, ist folgendes: 
England ist nicht eine Macht, die auf so hoher Kulturstufe 
steht, daß alle anderen Staaten gerade gut genug sind, seine 
Stiesel zu putzen. England hat außerordentliches geleistet, 
aus kaufmännischem, technischem, maritimem, sportlichem, 
hygienischem, gewiß auch auf wissenschaftlichem und künst¬ 
lerischem Gebiete, aber soviel hat es nicht geleistet, wie es 
von sich selbst glaubt. Es hält sich für das auserwählte Volk 
der Neuzeit, und was ihm da nicht zum Ebenbilde Gottes 
patzt, das hat es unter heuchlerischer Maske versteckt. Diese 
Maske müssen wir England herabreißen; wir müssen un¬ 
seren Stolz und unser Selbstbewußtsein zurückgewinnen 
und von England fordern, daß man uns in Österreich-Un¬ 
garn auch einen Platz an der Sonne gönnt. Wir 
wollen nicht weiter als Minderwertige verächtlich oder mit¬ 
leidsvoll über die Achsel angesehen werden, wir müssen Selbst¬ 
vertrauen und Lebenskraft gewinnen und bezeugen. Wir 
dürfen auch in Zukunft englische Konfitüren verzehren und 
Tennis spielen, aber wir sollen uns dabei nicht einbilden, einen 
heiligen Kulturakt zu begehen. 
Wenn wir auch noch nicht so viele Bündnisse gebrochen 
haben wie England, so haben wir doch das Recht, als ein Staat 
zu gelten, der politisch mitreden kann und muß. Bei jeder 
weiteren Aberhebung vonseiten Englands müssen wir 
die Kraft und den Mut haben, zu sagen: „Hands off!“ — 
„die Hände weg!"
	        
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