Volltext: Salzkammergut-Familien-Kalender 1936 (1936)

Habn's alle zwo« a meng z'gach oan Gkasl nach öem andern umi- 
trunka. Spat halln sö sö aufn Hoamweg gmacht. Guat is ganga, aber 
zletzt, wia's schon 's Häusl gsehn halln, rutscht da Hias aus und fallt 
auf sei guats Weib. Dö daschröckt und laßt in ihrn Schrocka 's Kasfee- 
gschirr fälln, dös llricht und dö eiserne Rein kimmt ihr aus und rollt 
übern Hang in Wald abi. Holn kanns neamd und so bleibt's in 
Wald liegn bis zum nächsten Tag, D' Mirz hat a meng gschimpft. 
Dahoam halln sö sö schlafn glegt und halln gschlafn so guat, wia scho 
lang nimma. — Nächsten Tag hat er d' Rein gholt und hat gsagt: 
„Han ma nöt denkt, das mir so was aus dö Händ lesn kann. Hat's 
do recht ghabt, dö Wahrsagerin. Am Errtag kaufst da in da Stadt a 
Kaffeegschirr. Wann da Kirta a zletzt a wöng schief ganga is, schön 
wars do und nächsts Jahr, so Gott will, gehn ma wieder." 
Lin Unglücksfall zu Aussee 
In alten vergilbten Blättern lese ich: 
Wachet! Denn ihr wisset weder den 
Tag', noch die Stund. Matth: 28. Cap: 
Wie gewiß allen Menschen der Tod, hingegen ungewiß die Zeit und 
Art des Todes seye? gibt uns nicht nur die göttliche Schrift; sondern auch 
die tägliche Ersahrnuß. Allen Menschen ist aufgesetzt: einmahl .zu sterben" 
sagt der Heil. Apöstl Paulus Hebr. 9. 27. und ihr wisset weder den Tag, noch 
die Stund" spricht Christus die eingefleischte ewige Wahrheit selbsten bey 
öem Evangelisten Matth: 26. c. Dahero er uns treulich, und väterlich er¬ 
mahnet, allzeit wachtbar zu seyn, ein gutes, wenigst von aller Tod-Sünü 
befreytes Gewissen in seiner Lieb, und Forcht, als das Oel in der Ampel, 
ohne unterlaß bey, und in uns zu tragen, damit, wenn unversehens der 
Bräutigam kommet, Gott durch den Tod, wir mit den weisen Jungfrauen 
ihm ins Hochzeit-Haus der ewigen Glorie begleiten können, nicht aber mit 
denen Törrechten, welche erst ins Oel kaufen gingen, da sie schon anzünden 
sollten, ewig davon ausgeschlossen werden. Bon dem sähen, und unvermu- 
theten Tod ist kein Mensch sicher, sey er; wie reich, wie mächtig, wie jung, 
wie stark, wie frisch und gsunö er auch immer wolle. Es kommt auch der 
unvermulhete Tod nicht allzeit in der still, wie ein heimlicher schleichender 
Dieb; sondern er kommt oft, wie ein öffentlicher gewaltiger Dauber, der 
mit aller Macht grimmig darein fallet und alles unters überfich kehrt, dessen 
unvermutheter Gewalt Niemand, Niemand, der davon ergrifen wirdet, ent¬ 
rinnen kann, dessen sich ein so traurig- als erstaunliches Exempel im ver¬ 
flossenen 1768ten Jahr, den 12. Februar in folgender, entsetzlicher Begeben¬ 
heit ereignet, welche ein zubeminneder Freund zum alten, und neuen Jahr 
hiemit in Druck verehret. Fürs alte Jahr, damit man wisse, was^ wann^ 
wo? und wie es geschehen. Fürs neue aber, damit man sich dessen auch 
fleißig erinnern, und solche Erinnerung auf beständige Forcht Gottes, und 
Beybehaltung des guten Gewissens sich zu heiligen Nutzen machen möge. 
Es verhaltet sich die ganze gründliche wahrhafte Begebenheit also: 
Es befanden sich im gleich vermelüten verflossenen 17Mten Jahr Mo¬ 
nats Februar in dem kayerserlichen Cammer-Gut Aussee Leu der Lannsen 
Grill, Holz-Meisters Werkstatt, die wittere Stuben genannt,Zwanzig "Ltü 
liche, und flelß-eyfrrge Holz-Knecht, benanntlich, wie folget: Joseph Grill, 
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