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vie Schlange im Veti.
Plaudernd saßen wir an einem schönen
Mondscheinabend, wie man ihn nur in den
Tropen kennt, auf unserer Veranda.
Einige Freunde hatten sich noch bei uns
eingefunden, und wie so oft, war auch
heute das Gespräch auf Jagderlebnisse ge-
kommen, denen mein Mann und ich so
gerne zuhörten. Auch ich hatte, wenn auch
kein schauriges Jagdabenteuer, so doch ein
Erlebnis des heutigen Tages zum Besten
gegeben, das für mich übel hätte ablaufen
können.
Auf unserem allabendlichen Spazier-
gang bemerkte ich quer über dem Weg
einen Gegenstand liegen, der sich in der
Mondscheinbeleuchtung wie ein Ast aus-
nahm. Beherzt wollte ich draustreten,
wurde aber im letzten Moment von mei-
nem Mann energisch an der Schulter ge-
griffen und zurückgerissen. Im selben
Moment richtete sich der vermeintliche Ast
— eine IV2 Meter lange Puffotter — zi-
schend auf und verschwand im nahen Ge-
büsch. Im allgemeinen ließ ich mich nicht
so leicht in Schrecken versetzen, aber eine
Schlange konnte mir mehr Grauen ein-
flößen, als das wildeste Tier.
Nachdem wir noch manches Interessante
gehört, trennten wir uns in später Nacht-
stunde. Doch ich konnte lange nicht in
Schlaf kommen, die Erzählungen unserer
Freunde gingen mir immer durch den
Kopf. Auch an das häßliche Reptil mußte
ich öfter denken, und in diesem Gedanken
mußte ich wohl eingeschlafen sein.
Z War es der helle Mondschein oder
meine erregte Phantasie, die mich so un-
ruhig machten, denn bald wachte ich wie-
der auf, und — — — träumte ich, oder
sah ich recht? Ich wagte mich kaum zu
bewegen nur ein nochmaliger Blick nach
rechts überzeugte mich, daß ich mich nicht
getäuscht hatte. Da lag quer über meinem
Kopfkissen ein Schlange. Sie mußte
ihren Kopf dicht unter dem meinigen lie¬
gen haben und regte sich nicht. Die Wärme
tat sicher wohl. Wäre das Moskitonetz
nicht gewesen, das mich rings herum fest
einschloß, so hätte mich ein schneller Sprung
aus meiner unglücklichen Lage befreit.
Eine lähmende Angst überstel mich, was
sollte ich tun? Sollte ich meinen Mann
rufen, der einen so festen Schlaf hatte?
Es wäre mein Verderben gewesen, das er-
schreckte Tier hätte sicher den tödlichen Biß
getan. Es blieb mir nichts anderes übrig,
als mit größter Geschwindigkeit aufzu-
springen, das andere Bettende zu errei-
chen und das Moskitonetz aufzureißen.
Das war alles die Ueberlegung eines
Augenblicks. Noch einen Moment zögerte
ich, dann sprang ich blitzschnell auf, — —
einen Schrei des Entsetzens stieß ich aus,
denn zu gleicher Zeit hatte sich auch die
Schlange «emporgeschnellt. Noch einen Blick
nach rückwärts warf ich, — — — und brach
in ein schallendes Gelächter aus. Die fürch-
terliche Schlange war nichts anderes als
— mein Zopf, der diese Sinnestäuschung
hervorgerufen hatte.
vie Rosenöl-Fabrikation
in Bulgarien.
In Bulgarien, in dem Tal der Tund-
scha, am Südabhang des Oeliki-Balkans,
bei der Stadt Kazanlik, liegt das „Tal der
Rosen", kilometerlange Felder, die nur mit
Rosen bebaut sind. Die geschützte Lage an
der Südseite des Gebirges ist für den An-
bau der Rosen besonders geeignet. Rosen-
öl-Fabrikation wird denn auch schon seit
ungefähr 200 Jahren in Bulgarien be-
König Friedrich VIII. von Dänemark.
geb. 1843, Regierungsantritt am 29. Jänner 1906,
gestorben am 15. Mai 1912.
trieben. Angebaut werden die rote Rose
(Rosa damascaena) und die weiße Rose
(Rosa alba). Die Anbaufläche betrug im
Jahre 1908 6340 Hektar, von denen jeder
Hektar ungefähr 3000 Kilogramm Rosen-
blüten bringt. 3000 Kilogramm Blätter er-
geben 1 Kilogramm Rosenöl, das einen
Ausfuhrwert von 700 bis 800 Mark hat,
so daß die Kultur der Rose einen guten Ge-
winn abwirft. Die Rosenernte fällt in die
Zeit von April bis Ende Juni. Damit die
Blumen ihren vollen Duft behalten, muß
die Zeit der Reife genau abgepaßt werden.
Vor Sonnenaufgang oder in den ersten
Morgenstunden begeben sich Frauen und
Kinder aufs Feld zum Schneiden der Blü-
ten, die dann daheim in sehr einfachen Ap-
paraten destilliert werden. Jeder Besitzer
eines Rosenfeldes hat seinen eigenen
Brennkolben und destilliert seine Blüten
selbst. Die Destillation muß zweimal er-
folgen, wobei zuerst das Rosenwasser und
darauf das Rosenöl gewonnen wird.