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zweigenden Straßen und Wegen war das Zurechtfinden außer¬
ordentlich schwer; die Vorwärtsbewegung der Masse der Brigade
drohte daher völlig zum Stehen zu kommen. Von dem hinter den
Truppen befindlichen Stabe des Generals v. Emmich hatte sich
General Ludendorsf an der Marschkolonne entlang nach vorn be¬
geben. Am Anfänge des Gros griff er persönlich ein und brachte
so den Marsch wieder in Fluß. Schließlich gelang die Aufnahme
der Fühlung mit der Vorhut, nicht ohne daß General Ludendorff
selbst mit der ihm unmittelbar folgenden Truppe im Ostteil von
Retinne einen nördlichen statt des westlichen Ausganges nahm
und hierbei nördlich des Ortes in ein Gefecht eintrat. Nachdem
der Irrtum schnell erkannt war, konnte der Kampf abgebrochen
werden. So traf General Ludendorff mit den vordersten Teilen
der nachgeführten Truppe gerade in dem Augenblicke auf dem
Gefechtsselde der Vorhut ein, als Brigade und vorderstes Regi¬
ment ihre Führer verloren hatten. Unverzüglich übernahm er
den Befehl über die Brigade. Zwei ihn begleitende Offiziere
des Großen Generalstabes, die Hauptleute Brinckmann und
v. Harbou, erhielten die Weisung, den feindlichen Stützpunkt rechts
und links zu umgehen und von den Flanken sowie vom Rücken
her zu nehmen. Mit einigen zusammengerafften Leuten des Regi¬
ments 27 und des Iägerbataillons Nr. 4 schlichen sich die beiden
Offiziere seitwärts heraus. Vor dem nördlich umfassenden Trupp
wich der überraschte Gegner aus. Die Straße wurde erreicht,
und im Sturm wurden die ersten beiden Kanonen, die in diesem
Feldzuge in deutsche Hände fielen, durch Teile der 3. und 4.
Kompagnie der 4. Jäger genommen. Der südlichen Umfassungs¬
abteilung lief die Besatzung des Stützpunktes, ein Major mit
mehreren Offizieren und etwa 100 Wann, in die Arme. Sie
ergaben sich ohne Gegenwehr. Der Weg war frei, allerdings
nur bis zum nächsten Orte, Oueue du Bois. Hier begann die
blutige Arbeit von neuem. Alle Häuser spien Feuer. Es kam zu
einen: fürchterlichen Straßen- und Häuserkampf mit all seinen
Schrecknissen. Zum Glück schossen die Belgier sehr schlecht; nur wenige
wagten, den Kopf aus den Fenstern zu stecken, um zu zielen. Als
die Dämmerung herauszog, ergab sich die Möglichkeit, die deut¬
schen Geschütze sprechen zu lassen. Dies richtig erkennend, meldete