Volltext: Lüttich-Namur [1]

32 
fallen worden. Erst nach einem heftigen Straßenkampf, wobei 
sich ergab, daß die Bewohner die Häuser und Gärten in äußerst 
geschickter Weife planmäßig zur Verteidigung eingerichtet hatten, 
gelang es, alle Freischärler zu .überwältigen. Ein großer Teil des 
Ortes ging dabei in Flammen auf. Noch immer konnten unsere 
gutmütigen Leute sich nicht daran gewöhnen, jeden Belgier mit 
Mißtrauen zu behandeln. Allzuost mußten sie leider ihre Ver¬ 
trauensseligkeit bitter büßen. Die wilderregte Bevölkerung ließ 
kein Mittel, und war es .auch noch so verrucht, unversucht, um 
unfern Truppen Schaden zuzufügen. Es kam sogar vor, daß fana¬ 
tische Weiber unsere Verwundeten heimtückisch überfielen, sie grau¬ 
sam quälten und langsam zu Tode marterten. Der Begriff der 
„Hyänen des Schlachtfeldes" lebte in seiner schlimmsten Gestalt 
wieder aus. Die seit Jahrzehnten in Wort und Schrift planmäßig 
von unfern germanischen Vettern jenseits des Kanals in Belgien 
betriebene Wühl- und tzetzarbeit trug ihre Früchte. Es wurde 
unnütz deutsches und belgisches Blut vergossen; unsere Operationen 
wurden dadurch nicht verzögert. 
Auch an der Abwehr des Durchbruches der 14. Infanterie- 
Brigade in der Nacht vom 5./6. August beteiligte sich die belgische 
Zivilbevölkerung mit der Schußwaffe in Der Hand. Die Brigade 
sammelte sich um Mitternacht auf den Wegen, die von Herve 
und Soumagne nach Micheroux führen. In einem kleinen Bauern¬ 
hause fand eine letzte Besprechung der Generale v. Emmich und 
Ludendorff mit dem Brigadekommandeur, General .v. Wussow, 
statt. Es war beschlossen worden, den Weg durch Micheroux— 
Sur Fosse—Queue du Bois—Bellaire—Iupille nach La Char¬ 
treuse zu nehmen. Ein Abbiegen von der Durchoruchsstraße und 
ein Eingreifen in Gefechte der Neb'enverbände war streng unter¬ 
sagt worden. Um 12.30 morgens schoben sich je zwei Kompagnien 
vom Infanterie-Regiment 165 gegen Fort d'Evegnse und Fort 
de Fleron vor, um sie.abzuschließen und ihre Auftnerksamkeit ab¬ 
zulenken. Eine halbe Stunde später sollte der Vortrupp der Bri¬ 
gade antreten. In das vorn befindliche Infanterie-Regiment 27 
hatte sich die Haubitzabteilung des Feldartillerie-Regiments Prinz- 
Regent Luitpold von Bayern (Magdeburgisches) Nr. 4 einzu¬ 
schieben. Das Infanterie-Regiment 165 bildete die Verfügungs-
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.