nach wenigen Sekunden benützte. Dann wurde auch seines
Fahrzeuges Stockung behoben, er fuhr weiter bis zur nächsten
Stockung und blieb dort beim Feuer stehen.
Da ich keinen Platz an einem Feuerchen finden konnte,
machte ich mir rasch in einer der am Weg befindlichen, mit
Türken weizen überdachten, serbischen Deckungen ein Nacht¬
lager zurecht, steckte meine kotigen Stiefel in den Schlafsack,
zog die Kapuze über den Kopf und schlief in der eisig-feuchten
Dezembernacht so fest, daß ich das Rattern der ungeheueren
Kolonnen, das schreiende Anfeuern, die Kommandi, die Peit¬
schenhiebe, das verzweifelte Wiehern der Rosse und das Pfeifen
des Windes nicht hörte.
Donnerstag, den 10. Dezember 1914.
Um % 7 Uhr früh brachen wir auf und stießen nach kaum
einer Stunde zur Division. Wären wir in der Nacht noch vier
Kilometer weiter gegangen, dann hätten wir unter Dach und
Fach in Stepojevac schlafen können. Dort lagerten auf der Dorf¬
straße nahezu alle Truppen der 9. Infanterie-Truppen-Division.
Von den diesjährigen Einjährig-Freiwilligen ist nur noch ein
einziger übriggeblieben, der Fahnenträger. Die Verluste des
Regiments betragen seit Anfang des Krieges etwa 10 000 Mann.
Gewehrfeuer und Kanonendonner sind in der Nähe hörbar
und beweisen, daß die Serben uns doch verfolgen. Dazu die
Mitteilungen, daß das 13. Korps zurückgeschlagen, Lajkovaö
und alle die Höhen an der Kolubara, die so furchtbar viel Blut
gekostet haben, wieder in serbischem Besitz sind. Wir sollen
eine Verteidigungsstellung in der Richtung gegen Leskovac be¬
ziehen, das 13. Korps bleibt Reserve hinter unserem westlichen
Flügel. Wahrscheinlich halten wir nur noch die Linie Bel¬
grad—Valjevo.
Es ist 3/4ll Uhr vormittags. Eben hat der Oberstleutnant
telephoniert, daß durch Kavallerie zu rekognoszieren sei, ob der
Feind verfolge.
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