Mannschaftsdeckungen genötigt ist, immer um 5 Uhr nachmit¬
tags schlafen zu gehen. So hatte ich meine Vorteile von der
Gastfreundschaft, aber ich konnte mich ihrer nicht freuen. Ich
bin wiederholt gezwungen gewesen, mit Leuten beisammen zu
sein, die mir im ersten Augenblick unsympathisch waren, und
ich habe mich fast immer mit Erfolg bemüht, an ihnen Züge zu
entdecken, die meine erste Meinung zu ihren Gunsten richtig¬
stellten. Bei meinem Gastfreund war dies nicht der Fall. So un¬
sympathisch er mir schon bei oberflächlicher Bekanntschaft
gewesen, vollends widerwärtig wurde er mir bei näherem Ken¬
nenlernen.
Er erzählte mir zum Beispiel mit schamlosen Details sein Ver¬
hältnis zu einem Mädchen, das er in unfairer Weise verführt
hatte und das ihn noch immer maßlos liebt. Er gab mir die
Briefe des Mädchens zu lesen, damit ich sie beantworte. Er hatte
sie überhaupt nicht geöffnet, worüber ich um so mehr entrüstet
war, als seine Geliebte ihn darin nur um ein einziges Wort bat:
sie habe gehört, daß er sie während ihres Verhältnisses, das sie
mit furchtbaren häuslichen Szenen, einer verbotenen Operation
und darauffolgender lebensgefährlicher Krankheit bezahlt hatte,
mit ihrer besten Freundin betrogen habe. Sie bitte ihn nur um
ein Wort des Dementis, das sie ihm unbedingt glauben wolle.
Der Kerl überließ es mir, diesen Brief so zu beantworten, wie
ich wolle. Die an Exhibitionismus grenzende Art, sich zu be¬
nehmen, zu schimpfen und zu sprechen, die Brutalität, mit der
er Leute seiner Kompagnie prügelte und mit den Füßen stieß,
die Rücksichtslosigkeit, mit der er seinen Diener weckte, damit
dieser aufstehe und die Kerze auslösche (trotzdem es dazu nur
einer Kopfbewegung oder einer Bewegung der Hand bedurft
hätte), brachte mich fast zur Raserei, und ich mußte mir Zwang
antun, um ihm nicht Grobheiten zu sagen, was mir bei diesem
Menschen gewiß standrechtliche Bestrafung eingetragen hätte
und als beispiellose Undankbarkeit ausgelegt worden wäre.
Als er mir einmal brüsk sagte, daß ich mit dreckigen Stiefeln
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