Volltext: Alt-Wien [72/73/74]

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Julius Fröbel. 
Auf meiner Reise nach Wien blieb ich einige Tage in 
Breslau und lernte die Hauptpersonen der dortigen demo— 
tratischen Partei kennen, darunter den einen der beiden Grafen 
Reichenbach, welcher der eigentliche Anstifter der deutsch— 
katholischen Bewegung gewesen ist. An der österreichischen 
Brenze fragte man nach meinem Passe. Ich war im Besitze 
eines Schweizer Passes, hielt es aber seit meiner Beteiligung 
an den deutschen Angelegenheiten für unschicklich, von demselben 
vebrauch zu machen. Die Pässe, bemerkte ich, seien abgeschafft. 
Das sei an dieser Stelle noch nicht angezeigt, entgegnete s ehr 
bescheiden der Beamte. Ich zeigte ihm einen an den Fürsten 
Lubomirski adressierten Brief Bakunins vor. Der Mann machte 
ein respektvolles Kompliment und war zufrieden. Einen halben 
Tag später war ich in Wien. 
Die Stadt war mir unbekannt, und ich wußte in ihr 
einen einzigen mir persönlich bekannten Menschen, einen Wiener 
Literaten, den ich in Leipzig kennen gelernt. Sein Name ist 
mir entfallen, und ich erinnere mich nicht, daß er in den weiteren 
Vorgängen eine Rolle gespielt. Ich benutzte den ersten Tag, 
mir das Leben von außen anzusehen. Jedermann trug das 
Abzeichen einer besonderen Nationalität, Landsmannschaft oder 
Partei in deren Farben, in Gestalt eines Bandes, einer Schleife 
oder Kokarde. Die ganze männliche Bevölkerung der Kaiser— 
stadt schien aus Studenten verschiedener Verbindungen oder 
Mitgliedern verschiedener Vereine bei einem Sänger- oder 
Schützenfeste zu bestehen. Die zahlreichen Kaffeehäuser waren 
ausschließlich von den gesonderten Bestandteilen dieses 
politischen Menschengemisches besucht; — hier füllten den 
Raum ausschließlich Deutschösterreicher, da Ungarn, da 
Italiener, dort Polen, dort Tschechen, dort Kroaten usw. In 
einem dieser Lokale, in welches mich die deutsche Sprache lockte, 
saß ich bis spät in die Nacht. Ich las Zeitungen, beobachtete die 
Menschen und hörte auf ihre Reden und Unterhaltungen. —E 
wurde fast nur Politik gesprochen. Gegen Mitternacht brach 
ich auf, um mich in mein Gasthaus zu begeben, wohin ich den 
Weg finden zu können glaubte. Ich irrte in den mir unbekannten 
Straßen umher, welche menschenleer waren. Niemand begegnete 
mir, den ich hätte bitten können, mir den Weg zu zZeigen, auch 
zein Nachtwächter oder Polizeimann. Da hört' ich Schritte. Ein 
Mensch kam mir entgegen. Ich redete ihn an, und — der Mensch
	        
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