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die Kellen; von Zimmerleuten rüstig geführt stiegen und sie
len die Aexte, daß es weit davon im Thale scholl; und unter
der Wucht des Quaderblocks knarrte der Aufzug (ck). Von
ihrem Abte aufgestellt, führten die Brüder Ockerus, Gebhard
und Gerold die Aufsicht, daß der Bau nicht säumig vor sich
gehe, und alles der Form von Citeaux, und den Forderun
gen des Ordens entspreche. Nachdem also das Nöthigste einge
leitet, den Brüdern das Schlößlein der Lilienfelder zur Woh
nung eingeräumt, und für ihren Unterhalt durch des Herzogs
Großmuth gesorgt war, schied dieser mit fröhlichem Herzen,
und begab sich an den Hof des deutschen Königs Philipp.
Schnell war der Bau auS der Erde emporgehoben, und
sichtlich wuchs das Werk unter den Händen der Arbeiter, und
der mit werkthätigen Klosterbrüder. Von ihren Säulen getra
gen blähten sich schon (1206) die Gewölbe des Oratoriums und 1L05.
des Dormitoriums; (1206) war das Capitelhaus und das Re-
fectorium vollendet; und folglich, da das Oratorium (die so
genannte Sebastiani-Capelle) indessen die Kirche ersetzen konn
te, das Ganze so weit gediehen, daß es seine Bewohner auf
nehmen konnte. Marquard von Heiligenkreuz säumte auch nicht
mit der Absendung der ersten Stamm-Colonie. Erlas dazu aus
von den Seinigen einen Priester, zwey Diaconen, einen Sub-
diacon, fünf Mönche, unter welchen Ortilo, und drey Laien
brüder. Als Prior setzte er ihnen den Priester Gebhard vor,
und ernannte zu ihrem Abte den Bruder Ockerus. Die Tren
nung von ihrer Muttergemeinde sollte indessen nicht ohne blei
benden Eindruck geschehen; deßhalb sammelte er um sich alle
Brüder, und hielt jenen, bevor er sie von sich ließ, eine sal
bungsvolle Rede. Er führre ihnen zu Gemüthe, wie sie, die
jüngst noch selbst unmündige, unberathene Kinder waren, nun
bestimmt wären, Vater von vielen Nachfolgern zu werden»
»Bauet fort,« sprach er, »auf der Grundfeste der Regel, und
»weichet nicht, weder links noch rechts.« Er legte ihnen den
Dienst des Allmächtigen als ihre erste Obliegenheit, und .
Dankgebeths für den fürstlichen Stifter , als ihre heiligste
Pflicht ans Herz. Dann gab er ihnen seinen väterlichen Se
gen, und entließ sie im Herrn.