Volltext: Historische und topographische Darstellung von Lilienfeld und seiner Umgegend [6] (6 = [Abth. 1] ; [Bd. 6] : Diöcese von Sanct Pölten ; Bd. 1 ; / 1825)

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wird auf die Schwemme gebracht; der Bauer findet es am be 
quemsten , sein Holz an den Schwemmbach zu schaffen. — 
Welche Aussicht bleibt den Fabrikanten und den Hammerwerk- 
meistern offen, wenn sie die ihnen eingeräumten und gewidme 
ten Waldungen abgestockt, und ihre Holz-Conlracte ein Ende 
genommen habe» ? Muß, da die Schwemme alle übrigen di 
sponiblen Waldungen für sich anspricht, die Kohlen - Erzeugung 
nicht ungemein erschwert, der Preis dieses Brennstoffs um 
vieles erhöht, und die Verrathe bey allem Kostenaufwande für 
den Bedarf dennoch unzulänglich befunden werden? — Die 
Folge davon wird die Verminderung der Werker, und für die 
Herrschaft eine empfindliche Schmälerung ihres besten Einkom 
mens seyn. 
Eine zweyte Folge wird der Waldunfug seyn, der bey dem 
Schlagen der Hölzer, trotz aller Aufsicht,, nicht zu vermeiden 
seyn wird. Der Schwemminhaber hat z. B. die Befugniß zur 
Abstockung und SchwemMung von zehntausend Klaftern; er 
wird aber, um auf dem Wiener Holzplatze dieses Quantum auf 
stellen zu können, bey dem mäßigen Anschlage von fünfzehn bis 
zwanzig Klaftern Schwenkung pr. zwölf bis vierzehn 
tausend Klafter schlagen müssen. — Der Bauer, der gewöhn 
lich nur die Gegenwart im Auge hat, wird, um zu seinen 
dringendsten Bedürfnissen, zu seinen Abgaben und Gibigkeiten 
schnell Geld aufbringen zu können, in seinem Holze für die 
Schwemme nach Lust Hausen, seinem Nachfolger die kahlen 
Bergwände überlassen, und abermahls der Herrschaft die trau 
rige Aussicht eröffnen, bey vorkommendem Unglücksfalle für 
die Herbeyschaffung des nöthigen Bauholzes Sorge tragen zu 
müssen. Muß man doch jetzt schon Bauhölzern, wie einer selt 
nen Waare, nachspüren, und sie aus fernen unwegsamen Berg- 
schluchten herzuführen. 
Aber nicht bloß auf die Dominien, sondern quch auf den 
Staat äußern angehäufte Schwemm-Unternehmungen in po 
litischer und moralischer Beziehung einen nachtheiligen Einfluß. 
Der Betrieb einer Schwemmanstalt erfordert viele Hände; diese 
werden dem Nähr- und dem Wehrstande entzogen. Die kräf 
tigsten , tüchtigsten und brauchbarsten Bursche verlassen den
	        
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