Volltext: Historische und topographische Darstellung von Lilienfeld und seiner Umgegend [6] (6 = [Abth. 1] ; [Bd. 6] : Diöcese von Sanct Pölten ; Bd. 1 ; / 1825)

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und im Besitze seiner wieder errungenen Alleinherrschaft, den 
herrlichsten Triumph zu feyern. -- Carls des Fünften Politik 
und seine Uebermacht, haben der Sache der Protestanten eimn 
Todesstoß beygebracht; ihre Heere waren aufgerieben, ihre 
Häupter gefangen, ihr Bund aufgelöst, ihre Macht vernichtet, 
und, wie es schien, für immer. Hoffnung und Freude waren die 
Gefühle, die jetzt den Busen eines jeden eifrigen Katholiken 
erfüllten, und die lang genährte Furcht und Betrübniß dar 
aus verdrängten. Und wie änderte sich Nicht mit einmahl wie 
der alles! ? — Plötzlich erscheint an der Spitze der Protestan 
ten, Moritz von Sachsen — es ist dieß eben der Moritz, der 
ihnen die tiefsten Wunden geschlagen — wendet sich rasch ge 
gen Innsbruck, läßt dem Kaiser nur noch so viel Zeit, seine 
Person zu retten, und richtet, was kaum mehr möglich schien, 
1553. durch die Schnelle seiner Operationen, die verlorne Sache der 
Protestanten wieder auf. — In dem Passauer Vertrag sanc- 
tionirt, erhob nun der Protestantismus auch in den östreichi 
schen Staaten sein Haupt; und viele, besonders unter dem 
Adel, zeigten sich als eifrige Anhänger der Reformation. 
Einer der vornehmsten darunter, und der das Meiste zur 
Verbreitung der neuen Lehre in Oestreich, und insbesondere in 
der Umgegend Lilienfelds, beytrug, war der Christoph Jörger. 
Durch den Ankauf der Herrschaft Chreusbach ist dieser Jörger 
ein Nachbar des Klosters geworden, aber leider! ein böser 
Nachbar, der keine Gelegenheit vorüberließ, seinen, gegen 
die Klöster eingesogenen, Haß zu zeigen. Abt Georg erfuhr dieß 
nicht selten. Er sah sich unter den nichtigsten Vorwänden von 
ihm angegriffen, und bald in Gränzstreitigkeiten, bald in lä 
stige Prozesse über gewisse Rechte und Freyheiten verwickelt. 
Insbesondere legte es aber Jörger darauf an, die sich etwa 
meldenden Kloster-Candidaten von der Annahme des Habirs 
abzureden. Abt Georg führte bittere Klagen hierüber bey dem 
Bischöfe von Neustadt, Franz Abstenius; dieser sucht ihn durch 
zwey Trostgründe zu beruhigen: erstlich, daß er ihm das Zeug 
niß geben müsse, daß unter ihm, und bey seinem Eifer, die 
Kloster-Disciplin nichts gelitten; und daß er sich zweytens 
auch über einen Mangel an Mönchen nicht beklagen dürfe, in-
	        
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