Volltext: Der Völkerkrieg Band 5 (5 / 1916)

202 Der türkische Krieg von Ende Februar bis Anfang August 1915 
wehren zu helfen, den die Feinde der Türkei ihr ins Herz versetzen wollten, das Gefühl 
des Moslim, gegen Ungläubige den „Heiligen Krieg" zu kämpfen und die Stadt des 
Kalifen zu schützen. Aber wenn man bei solchem Kriegszweck und namentlich bei dem 
starken religiösen Einschlag ins Seelenleben der jetzt aus Gallipoli kämpfenden Truppen 
auch von vornherein sehr viel von der moralischen Haltung derselben zu erwarten be 
rechtigt war, so erfüllt es doch mit besonderer Freude, zu sehen, wie auch im engern, 
militärischen Sinne die echt kriegerischen Eigenschaften des Osmanenvolkes hier wieder 
voll zur Geltung kamen. Allgemein sind namentlich die deutschen Offiziere voll des 
höchsten Lobes über die prachtvolle Haltung der türkischen Truppen. Auch in dem un 
glücklichen Balkankrieg hatten diese Eigenschaften nicht geschlummert; aber allzuviel Miß 
stände in der innern Organisation des Heeres wirkten lähmend und schlossen den mili 
tärischen Erfolg aus. Jetzt klappte auch in dieser Beziehung alles; und die Gerechtigkeit 
verlangt es, auf Marschall Lima» v. Sanders hinzuweisen als den Mann, dem es 
vergönnt war, nach jahrelanger Vorarbeit anderer deutscher Organisatoren und nach dem 
Balkankrieg mit Tatkraft und Geschick einzugreifen, in einem Moment allerdings, wo die 
Grundlagen bereits gelegt und das tiefste nationale Unglück schon den Keim in sich barg 
W einem neuen nationalen Aufschwung. Das schmälert jedoch in keiner Weise das große 
Verdienst des Chefs der deutschen Militärmission und seiner tüchtigen Helfer, die er 
aus den rechten Fleck zu stellen wußte." 
Die Versuche zur Forcierung der Dardanellen 
durch die Flotte der Alliierten 
Von Ende Februar bis Ende März 1915 
Chronologische Uebersicht nach den Meldungen des türkischen Hauptquartiers 
Alle wichtigeren englischen und französischenMeldungen sind zur Ergänzung beigegeben. 
24. Februar 1915. 
Die feindlichen Schiffe, die sich am 19. Februar 1915 (vgl. IV, 5, 229) den Forts 
näherten, die sie bereits zum Schweigen gebracht zu haben glaubten, wurden von diesen 
Forts angegriffen. Drei Schiffe wurden schwer beschädigt, eines davon war wahrschein 
lich das Admiralschiff. Nach dem oben erwähnten Datum fand keinerlei Beschießung 
mehr statt. Eines von den beschädigten Schiffen gehört zur Klasse der „Queen Mary". 
26. Februar. 
Zehn große Panzerschiffe haben gestern vormittag 10 Uhr ein Bombardement gegen 
die am Eingang der Dardanellen liegenden Forts eröffnet. Das Feuer dauerte bis 
7a 6 Uhr nachmittags. Dann zogen sich die Schiffe in der Richtung der Insel Tenedos 
zurück. Nach den gemachten Beobachtungen sind ein Schiff des Feindes vom Aga- 
memnontyp und zwei andere Panzerschiffe durch die von den Forts an der Anatolischen 
Küste abgefeuerten Schüsse beschädigt worden. 
27. Februar 1915. 
Die feindliche Flotte beschoß heute in großen Zwischenpausen das am Dardanellen 
eingang liegende Fort Sedd-ül-Bahr. 
Durch eine siebenstündige Beschießung mit schweren Geschützen haben die feindlichen 
Schiffe gestern unsere äußeren Forts an den Dardanellen an einigen Punkten beschädigt; 
trotzdem hatten wir nur einen Verlust von fünf Toten und vierzehn Verwundeten. Auch 
heute hat die feindliche Flotte die Beschießung fortgesetzt, sich aber am Nachmittag aus 
dem Feuerbereich unserer Batterien bei Sedd-ül-Bahr zurückgezogen.
	        
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