Einführung.
Von Heinrich Kralik.
»Ein alter fürstlicher Förster will seinem braven Jägerburschen
Max seine Tochter und Dienst geben, und der Fürst ist es zufrieden,
nur besteht ein altes Gesetz, daß jeder einen schweren Probeschuß
ausführen muß. Ein anderer boshafter, liederlicher Jägerbursche Kaspar
hat auch ein Auge auf das Mädel, ist aber dem Teufel halb und halb
ergeben. Max, sonst ein trefflicher Schütze. fehlt in der letzten Zeit
vor dem Probeschuß alles, ist in Verzweiflung darüber und wird
endlich dadurch von Kaspar dahin verführt, sogenannte Freikugeln
zu gießen, wovon sechs unfehlbar treffen, dafür aber die siebente
dem Teufel gehört. Diese soll‘ das arme Mädchen treffen, dadurch
Max zur Verzweiflung und Selbstmord geleitet werden usw. Der
Himmel beschließt es aber anders. Beim Probeschuß fällt zwar
Agathe, aber auch Kaspar, und zwar letzterer wirklich als Opfer des
Satans, erstere nur aus Schrecken; warum usw. ist im Stück entwickelt.«
Mit diesen Worten erzählt Weber am 3. März 1817 seiner Braut
Karoline Brand den Inhalt der projektierten neuen Oper. Er hatte die
»Freischütz«-Erzählung zwar schon sieben Jahre früher in Apels
»Gespensterbuch« entdeckt; war schon damals Feuer und Flamme
für den »superben Text« und hat sofort mit seinem Freunde Dusch
ein Szenarium entworfen. Aber es ist wahrscheinlich ein großes
Glück gewesen, daß jene erste jähe Begeisterung ebenso rasch wieder
verlöschte, daß Dusch und Weber ‘den »Freischütz« vor anderen
Plänen zurückstellten. Denn die sieben Jahre von 1810 bis 1817
waren entscheidend in Webers Entwicklung; sie gaben seinem Charakter
als Menschen wie als Künstler erst die volle Reife und Festigung.
Karl Maria von Weber, geboren zu Eutin am 18. Dezember 1786,
hatte viel vom unruhigen Geist seines Vaters geerbt, dessen unstetes
Leben der Knabe teilte, der erwachsene Jüngling selbständig weiter-
führte. Mehr als der flüchtige Unterricht bei. Michael Haydn, mehr
auch als die längere Studienzeit bei Abt Vogler, haben die‘ auf
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