Bitte dies auf Konferenz verwerten und betonen, daßGroßmächte
ihrer Würde schuldig seien, derartigen Provokationen
energisch entgegenzutreten. Balkanstaaten spekulieren offenbar
iinmer noch auf Schutz mächtiger Freunde. Dieser Irrtum müsse end¬
gültig zerstört werden.
Vielleicht ist es ferner zweckmäßig, auf Konferenz Lage von Valona
und griechische Blockade albanischer Küste bis Durazzo sowie außer
serbischen Greueltaten auch die von Presse gemeldeten montenegrinischen
Grausamkeiten gegen türkische Gefangene zur Sprache zu bringen.
Jagow.
Nr. 780.
Der Botschafter in Wien von Tschirschky an den
Reichskanzler von Bethmann Holl weg.1)
Ausfertigung.
Nr. 102. Wien, den 11. März igi3.
Ich möchte Euerer Exzellenz im nachstehenden einige Nachrichten ge-
horsamst mitteilen, für deren Authentizität ich zwar keine absolute Ge¬
währ übernehmen kann, die mir aber von meist so gut unterrichteter
Seite zukommen, daß ich sie melden zu sollen glaube.
In bezug auf das Verhältnis Serbiens zu Bulgarien höre ich, daß in
dem betreffenden Vertrage dieser beiden Staaten über die Verteilung
der türkischen Beute Serbien an Bulgarien die Bezirke von Monastir,
Köprülü, Ochrida und Istip überlassen, dagegen von Bulgarien Nord¬
albanien mit Durazzo zugewiesen erhalten habe* 2). Die gespannte Stim¬
mung zwischen beiden Staaten rühre nun daher, daß die Serben mit
Rücksicht darauf, daß sie ihren Preis, nämlich Nordalbanien, infolge
des Einspruchs der Mächte nicht erhalten hätten, nunmehr auch den
Bulgaren den ihnen versprochenen Anteil nicht lassen wollen3). Die ser¬
1) Die Große Politik Bd.34 (II. Hälfte), Nr.i2 957, S. 483.
2) Vgl. dazu die Geheimanlage zu dem Bulgarisch-Serbischen Vertrage vom
i3.März 1912, Bd.I, Nr. i7o, S. 208 ff.
3) Tatsächlich hatte der serbische Delegierte zur Londoner Friedenskonferenz N0-
wakowitsch schon am 11. Dezember 1912 zu Iswolski gesagt, daß Serbien, wenn man
ihm den souveränen Besitz eines Adriahafens verweigere, Kompensationen in anderer
Richtung suchen müsse, und zwar wolle es über die in der Vereinbarung mit Bul¬
garien bestimmten Grenzen hinaus, dem Laufe der Bregalnitza folgend, den Ochridasee
erreichen und die Städte Prilep, Monastir und Ochrida gewinnen. Telegramm Is-
wolskis an Sasonow vom 11. Dezember 1912, Iswolski Bd. II, S. 385 und
Aktenstück Nr. 745, S. 3Ö2. Damals hatte sich Sasonow in einem Tele¬
gramm an den Gesandten in Belgrad von Hartwig mit aller Schärfe gegen den un¬
berechtigten serbischen Anspruch geäußert: L’éventualité d'une violation de la déli¬
mitation si difficilement obtenue entre les deux Etats ne peut trouver chez nous ni
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