Volltext: Burgvesten und Ritterschlösser der österreichischen Monarchie Fünfter Theil. Sechster Theil. (5/6 / 1839)

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Wir kamen nun zum ersten Thore der alten Ve⸗ 
ste, wo uns, auf einem ebenen Plaͤtzchen, zwei dicht 
belaubte Linden unter ihren weitausgebreiteten Aesten 
einen schattigen Ruhesitz gewährten. Mit heiligem 
Schauer betrachteten wir diese veralteten Mauern, 
über die wohl schon der Strom eines Jahrtausendes 
mit allen seinen Stürmen der Zerstörung hingeglitten 
seyn mag. Die Zeiten der Ritterschaft und des Faust— 
rechts stellten sich uns in diesem ihrem Monumente 
gleichsam sichtbar dar; wir bewunderten den kühnen, 
aber düstern Geist des Mannes, der sich entschloß, 
auf dieser Felsenhöhe, am aäußersten Ende des Tha— 
les, wo er an den Ufern der Lasnitz nicht mehr fort⸗ 
wandeln konnte, und diese sich schon geraͤuschvoll von 
den Alpen herniederstürzt, ein Schloß zu bauen. So 
wie in der Lage dieser alten Ritterburg, also auch in 
dem Charakter ihrer Bauart spricht sich der Geist und 
die Persönlichkeit des Erbauers asusss. 
Wenn gleich Jeder, der sich einen solchen Wohn— 
sitz baute, nach den Bedürfnissen der Zeit, auf Fe— 
stigkeit und Sicherheit das erste Augenmerk nehmen 
mußte, so hatte doch Mancher so viel Geschmack, 
oder vielmehr Gemüthlichkeit, eine angenehme Situa— 
tion zu waͤhlen, indeß Andere geflissentlich die schau— 
derhaftesten Einoden zu ihren Burgen waͤhlten Lands⸗ 
berg, obgleich herrlich in seiner Ansicht, gehört doch 
mehr zur letztern Gattung; denn wiewohl es von 
vorn auf ein fruchtbares, menschenbewohntes Thal 
nicht unfreundiich hinschaut , fo ist doch seine Rück- 
seite, an steile Felsenmassen gelehnt, wirklich fürch⸗ 
terlich. Dieser drohende Abhang in eine schwindelnde 
Tiefe, deren Grund man nicht entdecken kann, weil 
alles mit üppiggrünenden Gewächsen und Gesträu—⸗ 
chen übexdeckt ist; diese hohen Baͤume, deren Wipfel
	        
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