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zu gewähren; die Königin sei in Tränen ausgebrochen, jedoch bei ihrer Weigerung
geblieben. 4)
Diese sonst fast unverständliche Weigerung entsprach so ganz dem Charakterzuge,
den Maria Anna mit ihrem kaiserlichen Bruder teilte, nämlich sich schwer für etwas
Neues zu entschließen und bei dem einmal gefaßten Entschlüsse mit großer Zähigkeit
zu beharren; nicht minder dem Grundsätze, dem auch der Kaiser huldigte, die
Ereignisse an sich herantreten zu lassen. Die Königin wartete zu, bis die ferneren
Begebenheiten den Rücktritt Nidhards gebieterisch erheischten.
In der Sorge, Nidhard einen ehrenvollen Abgang zu ermöglichen, gab Pennaranda
der Königin den Rat, ihren Beichtvater als spanischen Gesandten an den Wiener
Hof zu entsenden. Allein dagegen sprach sich der Kaiser aus, indem er geltend
machte, daß man in Wien einen Gesandten weltlichen Standes nötig habe, welcher
auch mit den Häretikern (Lutheranern) umgehen könnte, was bei einem Manne, der
in Spanien Groß-Inquisitor gewesen, die größten Schwierigkeiten hätte. „Ich habe
es auch fein klar der Königin und dem Nidhard selbst geschrieben, daß sie sehen,
was das vor ein ungereimte Sach wäre. Muß er dann hinweg, so gehe er auf
Rom, ibi est sphaera suae activitatis (dort ist ein Wirkungskreis für ihn). " 2 )
In diesen Wirren ließ auch Papst Klemens IX. der Königin seine Vermittlung
anbieten, welche, wie das Hervortreten des Nuntius Friedrich Borromeo in den
folgenden Ereignissen dartut, von der Königin auch angenommen wurde. Pötting
bemerkt in seinem Tagebuche unter dem 24. Jänner 1669, der Nuntius habe ihm
seine Instruktion in Bezug auf die Angelegenheit des Don Juan zugeschickt, deren
Inhalt war, Nidhard solle sich dem öffentlichen Wohle opfern und weichen. Der
kaiserliche Gesandte erzählt ferner noch, er habe am selben Tage mit Nidhard darüber
gesprochen und dieser habe sich über die dem Nuntius zugekommenen Befehle wenig
erbaut gezeigt.3) — Letzteres kann sich wohl nur auf formelle Angelegenheiten
beziehen, vielleicht auf den Umstand, daß man sich nicht gescheut hatte, die höchste
kirchliche Stelle in dieser Sache wider ihn anzurufen.
Einige Zeit früher hatte bereits Ludwig XIV. von Frankreich der Königin
alle Hilfe angeboten und geraten, Nidhard auf alle Weise zu hqlten, gleichwie
es einstens des Königs eigene Mutter mit Kardinal Mazarin getan hätte.4) In
der Tat hatte die Lage in Spanien große Aehnlichkeit mit jener, die zwanzig Jahre
vorher in Frankreich durch die Unruhen der Fronde während der Minderjährigkeit
des Königs geschaffen worden war.
Endlich war auch Don Juan, der noch immer in Catalonien weilte, mit
sich und seinen Helfershelfern über sein weiteres Vorgehen ins Reine gekommen.
Er entschloß sich, nach Madrid zu gehen, und zeigte dieses der Königin in einem
Schreiben aus Barcelona vom 22. Jänners 1669 an. Er meinte, die Reise nicht
wagen zu dürfen ohne ein starkes bewaffnetes Geleite, so lange Nidhard noch in
der Nähe der Königin weile. Mit 300 Reitern, die ihm Osuna zur Verfügung
gestellt hatte, machte er sich auf den Weg. Als er mit seiner Truppe nach Saragossa
kam, wurde er entgegen dem Verbote der Regentin mit schwärmerischer Begeisterung
wie ein Befreier empfangen. Man veranstaltete mit einer ausgestopften Figur, die
den Groß-Jnquisitor vorstellen sollte, einen Zug durch die Stadt nach Art eines
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1) Auch bei Lafuente, Historia General de Espana, Madrid 1862. IX. S. 20.
2 ) Schreiben des Kaisers vom 30. Jänner 1669 an Pötting.
3 ) Diarium II. S. 32 bei Pribram und Pragenau a. a. O. II. S. 17.
4) Aus dem Schreiben Leopolds I. an Pötting vom 2. Jänner 1669.
5) Relation I. S. 336 steht irrtümlich „Februar".