§ jo. Der Kampf um die politische Unabhängigkeit (j6o—140)
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Familiengruft der Hasmonäer zu bestatten. So kam zu den Helden
gräbern in Modein ein neues hinzu. Der hervorragende Staatsmann,
der als schlichter Krieger in den Kampf um die religiöse Freiheit
hinausgezogen war, um es bis zum Hohenpriester und der Stellung
eines nahezu unabhängigen Ethnarchen zu bringen, fiel gerade in
dem Augenblick, als ihn von dem höchsten Ziel seines Strebens, der
völligen Befreiung Judäas, nur noch ein einziger Schritt trennte.
Diesen Schritt tat der letzte der Hasmonäerbrüder, Simon. Und
wiederum erleichterten ihm die unruhigen Verhältnisse in Syrien
seine Aufgabe. Eben um diese Zeit beging nämlich Trypho ein neues
Verbrechen: er ermordete den von ihm bevormundeten Antiochus VI.
und bestieg selbst den Thron. Hierauf schlug sich Simon auf die
Seite des abgesetzten Königs Demetrius II., jedoch nicht mehr als
dessen Vasall, sondern als freier Bundesgenosse. Zum Dank für den
ihm geleisteten Beistand befreite Demetrius Judäa für immer von
jeglicher Tributentrichtung (142). Dies bedeutete eine formelle Ver
zichtleistung der Seleuziden auf die Oberhoheit in Judäa. »Das Joch
der Heiden wurde von Israel genommen«, sagt der Chronist. Noch
überschattete freilich die syrische Feste Akra das befreite Jerusalem.
Allein schon im Jahre 141 zwang Simon auch diese stolze Burg,
die drei Jahrzehnte lang die Freiheit der Judäer bedroht hatte, zur
Kapitulation.
Der Erfolg des heroischen Freiheitskampfes Judäas übertraf die
kühnsten Hoffnungen derjenigen, die ihn vor fünfundzwanzig Jahren
begonnen hatten. Die Nation hatte nicht nur die religiöse, sondern
auch die politische Unabhängigkeit errungen. Nun galt es, dem selb
ständig gewordenen Lande eine neue Verfassung zu geben. Die Hohe
priester-Dynastie der Zadokiden war nach dem Verrat des Jason
diskreditiert. Mit der Übernahme des Hohepriesteramtes durch
Jonathan fiel dem Hasmonäerhause außer der weltlichen auch die
höchste geistliche Gewalt zu. Damit war eine Dynastie begründet, die
beide Gewalten in ihrer Hand vereinigte. Doch bedurfte die vollendete
Tatsache noch der rechtlichen Sanktion. Im Sommer (im Monat
Elul) des Jahres 140 wurde Simon der Hasmonäer von den ver
sammelten Vertretern der Geistlichkeit und den Volksältesten zum
Hohenpriester, zum Oberbefehlshaber des Heeres und zum Fürsten
(»Nassi«) des jüdischen Volkes ausgerufen, wobei beschlossen wurde,
daß alle diese Würden im Hasmonäer-Geschlechte erblich sein soll
ten. Dem vom Volke gewählten fürstlichen Hohenpriester wurden