Die griechische Herrschaft (332—140 vor der christlichen Ära)
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Ergebenheit bezeugt hatte, zum Hohenpriester. Aus Furcht vor dem
Widerstand der auf revolutionärem Wege zu ihrer Machtstellung ge
langten Hasmonäerpartei sandte Demetrius gleichzeitig einen Heeres
trupp nach Jerusalem, der Alcimus nötigenfalls mit Waffengewalt
unterstützen sollte.
Da Alcimus ein Sproß des hohepriesterlichen Geschlechtes war
und gleich bei seinem Einzug in Jerusalem das Versprechen gab,
den nationalen Interessen dienen zu wollen, schien er sogar manchen
Chassidäern und Schriftgelehrten dazu berufen, dem Lande nach
langjährigen Wirren den inneren Frieden wiederzugeben. Für viele
Anhänger der Chassidäerpartei war ja mit der Erlangung der Reli
gionsfreiheit das Endziel des Aufstandes erreicht. Die von Juda
Makkabäus geführte Partei der entschiedenen Patrioten glaubte jedoch
nicht an die Lebensfähigkeit der inneren Autonomie bei Fort
bestehen der politischen Unterjochung und vermochte zu dem syri
schen Günstling Alcimus kein Vertrauen zu fassen. Die Tatsachen
sollten ihnen Recht geben. Kaum hatte Alcimus in seinem Amte
festen Fuß gefaßt, als er sechzig der unversöhnlich gesinnten Chassi-
däer kurzerhand hinrichten ließ. Durch diese Schreckenstat wollte
er der revolutionären Hasmonäerpartei einen heilsamen Schrecken
ein jagen, erreichte jedoch nur das Gegenteil: Juda, der inzwischen
mit seiner Heldenschar Jerusalem verlassen hatte, beantwortete die
Herausforderung des Hohenpriesters mit einem flammenden Aufruf
zum Kampfe wider den inneren Feind, die Hellenisten. Bald stand
das ganze Land wieder in Flammen. In seiner Not flehte Alcimus
König Demetrius um Verstärkung der in Judäa stehenden Truppen
an, worauf der König ein starkes Heer unter dem Oberbefehl des
alterprobten Feldherrn Nikanor ins Aufstandsgebiet schickte.
Bei seinem Einzug in Jerusalem wurde Nikanor von den Ver
tretern der Hellenistenpartei mit allen gebührenden Ehren empfan
gen. Die Schlappe, die er inzwischen beim ersten Zusammenstoß mit
den Scharen Judas erlitten hatte, hatte ihn jedoch so sehr verstimmt,
daß er die ihn begrüßenden Notabein offen verhöhnte und sogar den
Tempel in Brand zu stecken drohte, falls ihm der Makkabäer nicht
unverzüglich ausgeliefert werden würde. Selbst die Jerusalemer Hel
lenisten galten anscheinend den syrischen Machthabern nicht mehr
als zuverlässig. Bald nach seiner Ankunft rückte Nikanor nach Beth-
Horon vor, in dessen Nähe Juda sein Lager aufgeschlagen hatte.
Im Frühjahr 161 kam es hier zu einer blutigen Schlacht, die mit einem
glänzenden Siege der Juden endete. Nikanor fiel schon zu Beginn